104
Wendung in Masse gebracht haben. Statt dessen sehenwir er ins Kleinliche zerstückelt, als ein wahres Ebenbildder innern politischen Zerstücklung, es zeigte stch überallder nämliche Charakter der geistigen Halbheit, welcher diemoralische Verdorbenheit und nicht die VerfassungSfo»men zu Grunde lagen; die halben und drcivicrtels Aus-züge, die hingcstrcuten Grenzbcsehungen, und dann derlustige Grundsatz, nicht früher aufzubrechen, als bis Ge-fahr vorhanden war,*) über die man selbst nicht einigwerden konnte, und glaubte man sie wirklich vorhanden,unentschlossen war, was man thun sollte.*') Freilichläßt stch dagegen sagen: eine stehende Armee an den Gren-zen würde große Kosten verursacht haben, da der Kriegoft und lange an derselben geführt wurde und ein mit Ue-bermacht gewagter Durchzug nicht abzuwehren gewesenwäre. Das läßt stch wohl nicht läugncn. Aber so wiederjenige seine Position schlecht deckt, der sie direkte deckt,so vertheidiget auch derjenige sein Land schlecht, welchersich genau an die zu vertheidigende Grenze halten will.Es konnte weniger darum zu thun seyn, den Feind vomAngriff der Grenze abzuhalten, als ihn innert derselbenmit gehörig zusammen gezogenen Streitkräftcn zu schla-gen, oder, wenn der Durchzug schon geschehen, auf seineKommunikationen zu fallen und ihn im Nucken anzugrei-fen, ein einziger wohlbercchneter, mit Entschlossenheit undKühnheit ausgeführter und von jenem furchtbaren Anlaufbegleiteter Angriff, der die Schlachten der Freiheit aus-
») Protokoll der Kriegsrathe im Staatsarchiv von Siliern.
**) Hieneben ist von den Gesandten von Basel gefragt worden:wenn der Feind oder ein kriegführender Theil den Paß mit Ge-walt nehmen würde, ob ste stch dann nach allem ihrem Vermö-gen widersetzen oder aber der Gewalt weichen und den Durchzug>> beschehen lassen sollten. Hierüber ist nichts beschlossen worden:man soll vertruwlichc Meinung heimbringen. 1672.