Buch 
1 (1834) Die Zeiten der dreizehn Orte / von Joseph Andres
Entstehung
Seite
116
JPEG-Download
 

116

die Verblendung nahm zu, sie glaubten mit vierundzwan-zig tausend Mann Niemand mehr fürchten zu müssen, Ge-setze geben zu können nach Gutbesinden und Willkühr.Leuenberg nannte sich Obmann des neuen Bundes, hieltsich eine Trabanten Wache; Andere wollten ihre Aemterwieder zu Grafschaften machen, wie sie unter Oestreichwaren, und sich dann selbst als wohlbestcüte Grafen wüh-len lassen; wieder Andere wollten sich von den Städtenlosreißen, souverän werden, wie sie sagten, jedoch so, daßdie Städte mit ihrem Geld und Volke sie dabei schützenund schirmen sollten. Souveräne, die kaum stehen konn-ten ! Indessen war im Lande das Bedürfniß nach Ruheund Frieden immer mehr gefühlt, das Volk schied sich inLinde und Harte aus, daß heißt in Solche, die bei denbereits eingegangenen Vergleichspunkten bleiben und inSolche, die den Aufruhr fortsetzen und durch ihn gewin-nen wollten. Damit nun die Linden nicht Meister wür-den, wurden die Harten, die wirklich Herrschenden, ge-waltthätig, grausam, verfuhren schonungslos gegen alles,was nicht von ihrer Parthet war. Sie ließen ihre Gegner inSWasser werfen und sie so lange darin hin und hcrdünkeln, bissie sagten, sie wollen hart werden; oder man schnitt ihnendie Ohren ab, schlitzte ihnen die Bärte auf oder verstüm-melte ihre Nase mit glühenden Eisen; man riß sie mit ih-ren Weibern und Kindern aus ihrem Hause, trieb sie vonihrer Heimath über die Grenze und nahm ihnen dann ihrGeld »nd Gut, ihr Haus und Hof weg. In den Städ-ten, wo sie unfehlbar einzuziehen hofften, wollten sie selbst-er Kinder nicht schonen. Keine Verträge wurden mehrgehalten, die Waffenstillstände gebrochen, die obrigkeitli-chen KriegSvölkcr heimtückisch überfallen. Daher geschahes und konnte es geschehen: daß die Rebellen geschlagenwurden an der Reuß, geschlagen bei Wohlischwyl, ge-schlagen bei Hcrzogenbuchsee, daß die noch übrig Geblie-benen auseinander stäupten, wie wenn der Blitz in sie hin-