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1 (1834) Die Zeiten der dreizehn Orte / von Joseph Andres
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zen und die Pensionen zu erzwingen. Ganz anders han-delte sie. Niemand kannte die Verhältnisse der Schweizund ihren ganzen inneren Zusammenhang so tief undvollständig; niemand wußte den Punkt so scharfsinnigzu treffe»/ über welchen man nicht heraus dürfe/ und aufwelchem Wege allein alles zu erhalten sey. ES gab aberauch wirklich kein Land/ wo sich die französische Behen-digkeit besser entwickeln und üben konnte/ wo sie in einezwar kleine/ aber deßwegen nicht weniger lehrreiche Schuleder StaatS- und Untcrhandlungskunst kam/ als bei die-sen dreizehn an Verstand/ Hilfsquellen und Interessen so >ganz verschiedenen Hoheiten/ die bisweilen den unglückli- ^chen Hochmuth hatten/ allein behandelt seyn zu wollen.In diesem Gedränge/ in dieser Verwirrung kleinstädtischerFaktionen war und mußte des Franzosen Lust/ seine Machtund seine Allgewalt seyn.

Einmal geschah es indessen doch/ daß das französischeMinisterium mehr wollte und von dem bisherigen Systemseiner Gesandtschaft abzugehen befahl/ als nämlich der drei-ßigjährige Krieg an die eidgenössische Grenze kam, und ihregeographische Lage und Pässe auf die Kriegsoperationeneinen großen Einfluß ausüben konnten. Wiederholt befahl derKardinal Richelieu seinem außerordentlichen Gesandten inder Schweiz Bassompierre/ diese in einen Offensivbund mitFrankreich, Savoyen und Venedig gegen Oestreich zubringen. Fordert alles von ihr/ antwortete er/ nur die-ses nicht. Nie werden sie thun / was sie noch nie gethan;ihre Bündnisse und Verträge ehren sie/ Parthei nehmenwerden sie nicht. Wenn wir ihre Pässe und ihr Volk kautunsern Bündnissen fordern und erhalten/ was wollen wirmehr?" Wirklich konnte die Forderung von einem solchenBund nur von Jenen gemacht werde»/ die das Ganze nuraus weiter Ferne sahe»/ seine vielen Verhältnisse unddurchkreuzenden Partheien gar nicht kannten. Was konnteder Kardinalminister für -en offenen Bruch mit Oestreich