Band 
Dritter Band.
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96 Rücktritt der Dichtung aus dem Volke unter die Gelehrten.

wurden auch die lateinischen Schauspiele der Neueren hierhergezogen,der Macropedius, Hunnius, Cramer, Saurius, Brulovius, Crusius,Bnchanan und so vieler Anderer. Sie wurden wie die Lurretia vonSam. JuniuZ (1599) oder die Lonllsgratio 8oäomae von Andr. Sau-rius (1607) nur mit deutschen Argumenten eingeleitet aufgeführt, oderganz von deutscher Uebersetzung begleitet. Fröreisen übersetzte den Crösusvon Crusius, die Andromeda von Brulovius; dessen Chariclia undCäsar wurden 1612 und 1616 übersetzt; Gerson, Wollenstem, Eck u.A.waren bei solchen Uebertragungen thätig. Cramer's Plagium oder dersächsische Prinzenraub (1593), schon oft vorher (von Ringwaldt 1597)übersetzt, ist noch 1627 von Joh. Phil. Abele in Straßburg übersetzt, inFrankfurt ausgeführt worden. Wir merken aus diesen Gegenständen,daß die Lateiner sich mit allem Möglichen befaßten, mit Stoffen aus alterMythe, aus alter und neuer Geschichte, besonders aber mit biblischenTerten. Darunter waren besonders die alttestamenllichen Gegenstände,worunter es eine kleine Anzahl einfacher dramatischer Handlungen gab,außerordentlich beliebt und lateinisch und deutsch gleich eifrig bearbeitet.Mit deutschen Stücken dieser Art ging neben Joachim Greff und Rebhunder Augsburger Sirius von Birken (Systus Betulejus 1500—1554)den meisten Anderen voraus; sein Ezechias den wir allein kennen, ist schon1538 (Augsburg) erschienen. Der Dichter schreibt in Reuchlin's Geiste,von Terenz angeregt; er gibt den frommen Handel in ganz würdig ern-ster Behandlung, in knapper gedrungener Sprache fast noch wieNydhardtund Wyle schrieben; das Stück ist noch ohne Actenabtheilung, mitPsalmgesängen statt der Chöre. Uebrigens brach damals, gleich bei demAnstoße in den 30er und 40er Jahren eine ganze Flut gerade solcherbiblischer Stücke in einfach-klassischer Haltung herein. Von 1534 ist dieSusanne eines Ungenannten (Nürnbg. bei K. Hergotin); von 1539Tirolfs Jsaac und Rebecca; von 1535—44 vier verschiedene Behand-lungen des verlorenen Sohnes (der Acolastus von Wilhelm Gnaphäus1540, von Scharfenecker 1544; eine Züricher Bearbeitung von 1535und eine Basier von 1537), ein Stoff der sich durch seinen geistlichenSinn und die dabei gestattete weltliche Behandlung empfahl; von 1544der Hosteufel (Daniel) von Joh. Chryseus; von 1546 Hiob von Joh.Narhamer; von 1548 Eli von einem Ungenannten (Nürnbg.) u. s. f.Ein Gegenstand wie die Susanne ward von jedem Meister (wie Rebhun,Frischlin und H. Julius) und von jedem Stümper (wie Leonh. Stöckel1559 u. A.) versucht. Der Joseph von Aegid. Hunnius wurde wiein Straßburg so über ganz Baiern und Oesterreich hin verbreitet und