100 Rücktritt der Dichtung aus dein Volke unter die Gelehrten.
vouver8u8 (1596). Es stellt die Erkenntniß der lutherischen Lehre undihr Bekenntniß durch einen von Luther und Melanchthon selbst bekehrtenKatholiken, Simon dar, und seine wunderbare Rettung aus der Gesahr,die er sich durch seinen Uebertritt bereitet. Ein Gegenstück hierzu ist der„Franciscus Spiera" von Joh. Reinhard (Königsbg. 1561), wo nachSleidan die Geschichte eines Italieners behandelt ist, der von demLntherthum wieder abfällt und in Verzweiflung stirbt. Wo diese didakti-schen Dramen wie hier sich aus dem Allegorischen mehr entfernten undan das Wirkliche anlehnten, wurden sie bald mechanisch und versankenin Entartung in dem Maße, wie die Poeten an Fruchtbarkeit zunahmen.So hatte Martin Rinckhart die ganze Geschichte der Reformation insieben Stücken komödienweise zu schreiben unternommen; der Krieg störteden Druck des Ganzen; es sind (wenigstens uns) nur zwei Stücke ausder Reihe dieser Heptade bekannt geworden. Der Eislebische christlicheRitter (1613) ist das frühere und interessantere^); der MüntzerischeBauernkrieg (1625) dagegen ist ein unsäglich roher Wust von Scenen,in einem drolligen, auf komische Wirkung abzielenden, ungeschicktenStile. So ist der Imlkercm reäivivcm von Zach. Rivander (1503) eindramatisches Compendium der Geschichte des Sakramentstreitcs von1524-92, aus allen Streitschriften fleißig zusammengesetzt. 11m dieScheide des 16. und 17. Jahrhs. erlitt übrigens diese Gattung derMoralitäten eine große Erschütterung dadurch, daß das weltlicheVolksschauspiel, unterstützt durch Ayrer's Auftreten und das englischeSchauspiel, das damals nach Deutschland überzuwirken begann, einegroße Ueberhand gewann und das Interesse von den geistlichen Stückenabriß. Zwar unterließen die Geistlichen nichts, was ihre biblischenStücke halten konnte; sie erhoben Ayrer'n gegenüber nicht minderfruchtbare Talente, unter denen wir nur den Nürnberger Rector Georg
8L) Folgende Fabel, die zu Grunde liegt, macht ihn besonders darum merkwürdig,weil sie auf einerlei Quelle mit Swifts tsle ok » tub deutet, die dieser, zwar ange-fochten wegen der Originalität seiner Erzählung, nicht genannt hat. König Jmmanuelhinterläßt sterbend ein Reich und Testament für drei Söhne, Pseudopetrus in Italien,Martin in Eisleben und Johann in der Schweiz. Der erste usurpirt das Reich undwill von dem Testamente nichts wissen, der letzte will das Testament aber indem er ihmeinen eignen Sinn unterlegt, Martin allein will es nach dem Buchstaben ausgeführtwissen. Der Zwist führt zu dem Vorschlag, sie wollten die Leiche des Vaters zum Zielestellen, wer ins Herz träfe solle Herr des Reichs sein. Martin allein geht wie die'fromme Mutter vor Salomo diesen barbarischen Vorschlag nicht ein und der erscheinende'Vater krönt ihn unter den Brüdern.