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Dritter Band.
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110 Rücktritt der Dichtung aus dem Volke unter die Gelehrte».

im Ganzen auf die Bühne übergingen. Genau muß man auch auf derBühne den Hofnarren von dem Volksnarren unterscheiden: sie kommenbeide häufig und deutlich genug vor, daß man schließen darf, bei ge-regelter Fortbildung unseres Volködrama's hätte jener eine so ausge-bildete Gestalt werden können, wie der Narr bet Shakespeare, dieser sich somannichfaltig zerspalten können, wie die italienischen komischen Figuren.Schon unter den Teufeln herrscht diese Theilung, den komischen Figurendes geistlichen Spiels. Sie sind entweder mithandelnde, in größererAnzahl erscheinende Gestalten, sind dann zum Schrecken und zum Possen-reißen gleichmäßig da, eben wie auch der Tod aus der Bühne sowohl,wie in dem Meisterwerk von Holbein, eine schreckhafte und scherzhafteFigur zugleich bildet. Diese gleichsam erecutiven Teufel heißen aus-drücklich (z. B. in der Posse von geschwinder Weiberlist 1605) Satyrn.Diesen stehen die sogenannten Hofteufel zur Seite, die bloßen Ein-bläser deö Bösen, die ihr Geschäft, alles Unglück durch Tücke anzurichten,bei Omich selbst erklären, und ihren Aufenthalt und Titel am und vomHofe nehmen. Diesen Eingebungen des bösen Geistes steht der Hof-narr, der hier und da die stillen Einflüsterungen gleichsam hört undkennt, wie die Stimme des bösen Gewissens gegenüber, die nur nachdem Begriffe der Zeit die Laster als Narrheiten belacht und die Wahrheitlachend sagt. Der Narr ist dann wirklich wie der Chor der Komödie.Nicht einmal ist er immer spaßhaft; selbst im Valentin und Ursus desAyrer ist der Hofnarr Lörlein, dessen Name einem Narren der Wirklich-keit, Löbelin, nachgebildet sein könnte, ein witzloser Warner. Indemobengenannten Gericht Salomo's von Baumgarten unterscheidet er sichvon dem Ehrenhold in nichts, als daß Er kürzere, jener längere Wahr-heiten ohne komischen Anstrich sagt; ja der Ehrenhold scheint hier gleich-sam sein Amt getauscht zu haben, denn dieser nennt es als seine Ver-richtung, allen Ständen die Wahrheit zu sagen, „die Herrn am Tisch zuschamphiren, denen er die Kandel vorm Maul aufrücke ohne daß siemucken dürfen." Am sprechendsten ist des Narren Charakter im deut-schen Schlemmer von Stricer (1588). Er spricht nur Verlorne Worte,das Geschehene betrachtend, und drückt gleichsam die Gedanken derZuschauer bei irgend einer auffallenden Handlung oder Rede aus, ohnesich in das Spiel zu mischen, ja bezeichnend genug steht er sogar miteinigen dieser eingeschobenen Betrachtungen an den Rand gedruckt"").

92) Der Schlemmer sagt von seiner Frau:

Das will ich perfoß leiden nicht, bulen muß sie mir meiden schlicht,würde sie das nicht lassen anstahn, so wolt ich sie gewislich schlahn.