Band 
Dritter Band.
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122 Rücktritt der Dichtung aus dem Volke unter die Gelehrten.

wir darüber schneller hinweg. Die Bezeichnung dieser Stücke als engli-sche ist offenbar nur Sperulation. Nicht, daß nicht eine Reihe derselben,namentlich im ersten Theile, auf englischen Quellen ruhte, allein dochnicht anders als einige Stücke von Ayrer auch; im zweiten Theile istdes englischen sehr weniges; da ist Tasso's Amyntas und eine dramati-sirte Novelle aus dem Don Quirote eingegangen, nnd im ersten Theilehat Sivonia und Theagenes ganz sichtbar eine lateinische Grundlage,deren überhaupt viele als gemeinsame Quellen der europäischen Bühnen-stücke jener Zeiten vorausgesetzt werden müssen. Sie vermittelten dieseGemeinsamkeit ebenso, wie die lateinischen Bearbeitungen der erstenepischen Sagen im Mittelalter. Worin auch in diesen Stücken mitWohlgefallen verweilt wird, sind immer die Mittel der Darstellung, dieSorge für's Auge mit Spiel und komischen Wirkungen, Prügelscenen,Galgen, der Pikelhäring, der Narr auf einem Steckenpferd, Verkleidungen,Satyrtänze, ein Zauberer „der einen Haufen expookex macht", allegorischePersonen, höchst handgreifliche Liebesbezeugungen u. dergl. sind dieLicblingsscenen. Das Schreckliche, das (im Königssohn aus England)selbst zum Schein und zur Täuschung des Zuschauers eingeht, ist auchhier zu finden: seltner im Ganzen als bei Ayrer, aber im TituS Andro-nicus auch ärger als irgendwo: abgeschnittene Hände, Zungen undKöpfe, Menschenschlächterei, Nothzucht, Thyestische Gräuelmale, Wechsel-morde, und was man Greuliches und Scheußliches erdenken kann, gehenda, wie aus dem Shakespearischen Stücke bekannt, in reicher Fülle vor;und mit all diesen auf die Schaulust berechneten mischen sich dann Stellenvoll moralischer Gemeinplätze und religiöser Andacht (in Esther), odervoll thörichter und platter Allegorien (wie im Jemand und Niemand),oder voll gespreizter Liebesverhandlungen im übelsten allegorischen Ge-schmack (in der Macht Cupidinis). Einen Uebergangspunkt bietet unsdie Aufnahme des Schäferstücks Amyntas. Dieser Geschmack fing seitOpitz an die Bühne wesentlich zu verändern.

Da wir in diesem Zweig des Schauspiels die Volksdichtung nochso mächtig finden, so wollen wir hier noch den Bader Jacob Vogel inStössen an der Saale nennen, der in die Reihe der Ayrer, Reuter undFerber gehört. Der Spitzname der Salbaderei hat sich seinen Erzeug-nissen angehängt; gleichwohl füllte er noch kurz vor Opitz mit seinemRufe die deutsche Erde, nannte sich mit Stolz einen deutschen Poeten inHans Sachsens Art, und hat noch so viel Beifall gehabt, daß er Ver-leger auffordern konnte (aus Furcht vor Nachdruck), aus etliche tausendEremplare seiner Sachen mit ihm Verlag zu thun. Er erklärt sich in