124 Rücktritt der Dichtung aus dem Volke unter die Gelehrten.
aber habe Gott einen Vogel erweckt, der ohne Spott zum deutschenPoeten gekrönt sei wegen seiner hohen Gottesgabe, wovon ganzDeutsch-land Ruhm haben werde! Man begreift doch, wie gut es war, daßOpitz kam! und wie er sogar einigen Grund hatte, sich in so angestreng-tem Fluge über diese Vögel zu heben und auf diese Gänseadler mit Gewaltzu stoßen? Meinte doch auch Georg Mauritius (vor seiner Komödie vonden Weisen aus Morgenland) jetzt sei die „güldene Zeit", wo die Künstein Deutschland aufs Höchste gestiegen! Was hätte ohne die gewaltsameVersetzung der Poesie unter die Gelehrten durch diese Leute aus ihr wer-den sollen, wenn man ihre Dürftigkeit und Gemeinheit auch noch mitKronen belohnte! Wir bemerken nur noch, daß Vogel an diese Stellewegen einiger ganz roher Stücke, dem Bautzen-und Clausensturm (l622)gehört. In seiner Schreibart erinnert er manchmal an die Spielereiender späteren Pegnitzer Dichter in Nürnberg. Daß noch mehrere solcher(auch dramatischer) Volkspoeten in Vogel's Zeit umgingen, deren Namensogar zum Theil verschwunden scheinen, sieht man aus der unten noch zuerwähnenden Satire „Reim dich oder ich freß dich" von Hartmann Rein-hold (1673), wo (p. 9) an einer Stelle nachdem Hans Sachs erwähntist, Vogel genannt wird: „Was mangelt seinem Bautzner Sturme,welchen Frau kHa aus ihrem Wagen zu der unsterblichen Ewigkeit trägt?Wer war Peter Schütze von Erffurth, he? Ein Schneider, war jung ausder Schulen iniiiguanto iVIusarum oiioi-o gelausten, wie er selber in demSpiele von Wänschütlein (Wünschhütlein?) in der Vorrede spricht. Werwar Lorentz von Lauterbach? Ein deutscher iXot. ?ub. zu Neustadt, auchdanebst wohlverordneter Mägdgen-Schulmeister. Man lese aber seineMinima earmina von Rumplingern, von der Windmühle, von der schönenHelene, von der Dorotheen, vom Finken-Ritter"'), da wird man schongenug sehen, ja mit Händen greifen, wie herrliche Einfälle er gehabt, daer doch in lateinische Bücher seine Lebtage wenig Ohren gemacht" u. s. w.
4. Ausgang der Literatur im Südwesten von Deutschland.
Fischart und Weckherlin.
Franken und der Oberrhein waren in den Zeiten der Volks- undLehrdichtung die Hauptstätten, an denen sie ihren Sitz aufschlug, die
101) ES wäre Wohl voreilig, aus dieser Stelle mit Sicherheit auf den Verfasserdes Finkenritters schließen zu wollen ; doch dünkt unS, dies zu thun, nicht halb so albern,als Fischart zum Autor dieses albernen Buches zu machen.