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Dritter Band.
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Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.

fruchtbringende Gesellschaft zur Nachahmung; nur der Schwanenordenwollte keine Weibergilde dulden. Die allgemeine Stimme der Zeit be-grüßte die verkörpert erscheinenden Musen mit fast eingetheiltem Ju-bel^). Mit dem Auslande auch hier zu wetteifern war ein allgemeinerregtes Streben: die Engländerin Weston, die Polin Anna Memorata,die Italienerin Fulvia Morata, vor allen die Niederländerin Schur-mann, eine geborne Deutsche, waren ihrer Poesie und Gelehrsamkeitwegen wie Wunder der Welt von den größten Männern der Zeit be-staunt. Es ward eine Art Streitfrage unter den Männern, ob der weib-liche Geist berufen sei zu den Werken der Wissenschaft und Kunst. DieseFrage fiel auf einen sehr wohlbereiteten Boden, um einem langher-gebrachten Streit neue Nahrung zu bringen. Es war, wie wir wissen,im 16. Jahrh., im Gegensatz zu den ritterlichen Zeiten, üblich gewor-den, sich an dem Frauengeschlechte durch Hervorhebung seiner üblen Ei-genschaften zu necken. Noch im Anfang des 17. Jahrhs. war dieß einergiebiger Gegenstand für die Schreiber. Als jener Joh. Sommer (1609)in vem 2. und 3. Theil seiner etluiogi'aplüa munäi in zwei schematistischgeordneten Tractaten das böse und das regiersüchtige Weib abhandelte,konnte der Verfasser selbst sagen, das „böse Weib" sei schnell sehr weitgesegelt und fast zum Sprichwort geworden; es wurde unter eigenemund fremdem Titel nachgedruckt; noch in den 70er und 80er Jahrenwurde mit den Ueberschriftcn „die gute, die böse Frau" in Büchern spe-culirt; in diesen Zeiten noch machte Joh. Gorgias sich ein ordentlichesGeschäft daraus, iu elenden Schriften unter den verschiedenen NamenPoliandin, Floridan, Veriphantor die Weiber herabzuziehen, und bisins 18. Jahrh, hin währte diese Manie, sich in ernsten und satirischen,romanhaften und schäferlichen Schriften, in Erzählungen und Abhand-lungen über weibliche Tracht und Aberglauben, über Löffelei undHahnreischaft und alle Gegenstände zu verbreiten, die der Frauen Ver-hältnisse und Eigenschaften von sittlicher und geselliger Seite betrafen.In den halbritterlichen Zeiten des 17. Jahrhs. theilten sich aber dieStimmen und in dem Kreise der Hamburger Erotiker begegnen wir einererneuten andächtigen Frauenverehrung. Es gibt' aus dem Anfang des17. Jahrhs. eine literarische Neckerei, die noch 1643 gedruckt wurde;„ob die Weiber Menschen seien oder nicht?" Dieser Frage stellte Greff-linger den Ausspruch des Dichters entgegen, der sie für mehr als

174) Vgl. v. d. Hagen's Germania 8, 1K4. Ueber den Antheil der Frauen ander Dichtkunst des 17. Jahrhs.