Band 
Dritter Band.
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Weltliche Lyrik nach Opitz.

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Menschen, für Engel erklärte. Wie daher nun die Frage über den geistigenBeruf der Frauen aufgeworfen wurde, entschied sich weit die Mehrzahlzur günstigen Beantwortung. Stubcnberg, Joh. Peter Lotichius, Bel-linuö und viele Andere schrieben theils gelegentlich, theils in ausdrück-lichen Werken über diesen Gegenstand; Omeis und Lehms gaben späterbesondere Werke über die deutschen schönen Frauen oder galanten Poe-tinnen ; man fand den Spruch jenes Arabers abscheulich, nach dem mander Henne den Hals zuschnüren sollte, die des Hahnes Gesang nach-ahme; Logau erklärte die Frage für unwürdig eines jeden der Sinnehabe, denn es müßten doch auch die Weiber ihre Sinne brauchen dür-fe». Nur die Satiriker und unter ihnen besonders Rachel geht in seiner8. Satire von dem Satze aus, daß Männerwitz bei den Weibern keineArt hat und wo er ihn findet, da schwankt er zwischen Achtung und Ab-scheu. Die Schurmann erkennt auch er an (denn kaum trifft man unterihren zahllosen Bewunderern einmal Einen groben Deutschen, der diesehr Gelehrte auch ziemlich verkehrt zu nennen wagt), er hofft aber auskeine zweite. Die keusch von Natur ist, sagt er, wird nicht unkeuschscherzen, (unter dem Nnkeuschen ist aber nur das Weltliche der Poesieüberhaupt verstanden); wäre aber irgendwo ein Weib, das geil vonMund und in der Feder wäre, jedoch sich keusch befände, die wäre werth,daß sie vor allen zur Schau geführt werde — nackt und mit Purpur ge-ziert, um mit goldenen Ruthen gestrichen zu werden. Wo aber findetsich ein solches Kleinod in der Welt? wo weiße Raben sind und schwarzerHagel fällt. Diese letzte Frage und Antwort zeigt denn freilich au, daßRachel nicht bis auf unsere Tage lebte, wo man sich in solcher goldnerBlöße wohl in Ehren hat zeigen dürfen. Diese Ansicht Rachel's aberhat man damals unstreitig so grob und unrichtig gefunden, wie man sieheute auch finden wird, und sie hat nicht hemmen können, daß überallschriftstellerische Frauen hervortraten. An allen Höfen fast in Deutsch-land gab es Dichterinnen unter den fürstlichen Damen, besonders istHessen Darmstadt, wo wir auch den Psalmisten Ludwig VI. schon ge-nannt haben, in diesen Zeiten durch fromme dichterische Landgräfinnen,Anna Sophia, Auguste Magdalene und Magdalene Sibylle bekannt.WaS in den höheren Kreisen und auch öfter sonst von Frauen gedichtetwurde, hatte die doppelte Entschuldigung für sich, daß es doch meist un-gedruckt blieb und geistliche Erbauung war. Oefters artete jedoch dieVertiefung der Frauen in die theologischen Geheimnisse in Verirrungenaus. So war die Holsteinerin Anna Owena Hoyers (ff 1648) eineVerehrerin von Schwenckfeld, und in ihren schon seit 1628 entstandenen