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Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.
Gedichten (geistl. und weltl. Poemata. Amst. 1650) begegnet die frommeTändelei in Formen (Letterkreuzen u. dergl.) wie im Inhalt; ihren Haßgegen die weltlichen Geistlichen spricht sie in einem satirischen Gesprächeaus „de denische Dörp-Pape", worin eine Scene geschildert ist, diewas man sich heute in Holstein von dänischer Geistlichkeit erzählt ein-holt und übertrifft; wo dann die komische Kraft des Niederdeutschen indieser frommen und fraulichen Feder schon in Laurembergscher Derbheitzu Tage tritt, noch ehe Lauremberg geschrieben hatte. So wie mannun die Hoyers als eine Wiedertäufern: anklagte, so tadelte man auchdie berühmte Schurmann um ihrer Anhänglichkeit an Labadie willen,und so die Johanna Eleon. Petersen wegen ihrer Theilnahme an denbekannten Schwärmereien ihres Mannes. Beide Gatten waren Mit-glieder des Pegnestschen Blumenordens, in dem mancherlei Schwär-merei sichtbar ward; des mystischen Hangs wegen kam es wohl auch,daß Zcsen in Hamburg, Knorr von Rosenroth in Schlesien Haupt-beschützer weiblicher Talente wurden. Uebrigens gab es keine deutscheProvinz, die nicht ihre Pierinnen hatte: die Oesterreicher prahlten mitihrer Greifenberg; Schlesien mit D. E. von Rosenthal; Titz interes-firte sich für Getrud Möller, geb. Eyfler, die in Sprachen bewandertund gekrönte Dichterin (im Pegnitzorden Mirnelle) war, und für Si-bylle Schwartz in Greifswald, die schon mit 17 Jahren starb und derenGedichte später (1650 von Sam. Gerlach) herausgegeben wurden. So-gar Rist wechselte Briefe mit einer Dichterin Marie Commer. DerSachsen Stolz war die Tochter Carl's von Friesen, Henriette Catharinevermählte von Gersdorf, ihre zweite Hroswitha, und in Sachsengingen überhaupt die Schriftstellerinnen bis auf Gottscheds Ehehälftegar nicht aus. Ganz besonders reich war aber der Pegnitzorden anweiblichen Mitgliedern. Wie viele Peguitzschäfer zogen ihre zur Dich-tung gleichfalls begeisterten Schäferinnen nach sich! Die Ehefrauen derJngolstetter, Limburger, Regelest:, Omeis, Daniel Möller, Dietel-meyer, Laug, Stockfleth u. A. traten alle in den Orden, der überdiesan ledigen Theilnehmerinnen reich war, deren Reihe sich bis ins 18.Jahrh, fortführen läßt.
Der Pegnitzorden'^) läßt sich gleichfalls wie alle andern Coloniender neuern Dichtung an Sachsen und an Schlesien anknüpfen. Der erste
175) Die Hauptquelle über ihn ist die Säcularschrift von Herdegen (Amarantes):historische Nachricht von des lobt. Hirten- und Blumenordens an der Pegnitz Anfangund Fortgang ic. Nürnb. 1744. Vgl. Jul. Tittmann, die Nürnberger Dichterschule.Göttingen 1847.