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Dritter Band.
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286 Eintritt des Kunstch arakters der neueren Zeit.

begaben, die sie in eine Gesellschaft vereinigen wollten. Sie nahmen hierwie in Königsberg und im Schwanenorden Hirtennamen an, nanntensich die Pegnitzschäser oder den gekrönten Blumenorden (weil ein Lor-beerkranz die Veranlassung gab und weil später die meisten Glieder ge-krönte Dichter waren), nahmen die siebenfache Rohrpfeife des Pan zumSinnbild der Eintracht, und fügten nur später, eingedenk der ersten Ent-stehung und des Namens, eine Blume, die Granabille oder Passions-blume hinzu, was symbolisch stehen kann zur Andeutung der später vor-herrschenden geistlichen Richtungen vor den schäserlichen. Die Mitgliedererhielten eine Blume, die mit dem Namen auf ein weißseidnes Bandgestickt war, sammt einem Spruche verehrt, dessen Deutung hinzugefügtward, was zusammen die emblematische Poesie in diesem Orden gleicheinheimisch machte. Die Satzungen weichen von denen der übrigen Ver-bindungen wenig ab: die Verehrung Gottes und die deutsche Treue zufördern war nicht minder die Aufgabe, als die deutsche Sprache zu pfle-gen ; in ihren Werken unterstützten sie sich mit Censur und öffentlicherVerfechtung.

Das Schäfergedicht, sagten wir, machte gleichsam den Mittelpunktder Dichtung dieser Schule aus; es war aber nicht daS Schäfer- oderLiebeslied, das wir bisher überall gefunden haben, sondern eine Artprosaischer Erzählung mit eingestreuten Liedern, später mit förmlichenEklogen in der Weise der Alten. Man bildete in diesem Kreise die Vor-stellungen von aller Dichtung und deren Ursprung nach der Vorliebe derganzen Zeit für diese Gattung aus. Man sah das Schäferwesen alsden Grund aller Dichtung an, und konnte leicht dazu verführt werden,da in dieser Zeit die epischen, lyrischen und dramatischen Gattungen vondemselben durchdrungen waren, da die Schäfermode in alle Hochzeitenund an alle Höfe Hindrang. Der ganze Stand der Hirten, sagte man,war uranfäyglich in der Geschichte Gott wohlgefällig; in ihm glich sich,heißt es in dem noch zu erwähnenden Stammgedichte des Pegnitzordens,der geistliche und weltliche Stand gleichsam aus. Die goldgüldne Zeit,sagt Hagen in einer solchen Schäferei, war als Adam und Eva allesVieh der Erde geweidet; Hirten waren die Erzväter, Hirten verkünde-ten zuerst die Heillehre des Evangeliums. Die ersten Hirten, so erzähltDirken'^) die Geschichte der Entstehung derDichtkunst, hatten ein faules,freies Leben, sie durften nicht um Kost sorgen, sie konnten im kühlenSchatten der Bäume den „wolkenfliegenden Luftpsaltern und Schnabel-

176) Vorrede zu seiner deutschen Dichtkunst, 1679.