Band 
Dritter Band.
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I

Weltliche Lyrik nach Opitz.

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Harfen" den Gesang ablauschen. Zu dem Gesang Jubal's und seinerSchäfergenossen gesellte sich bald Naema mit ihren Gespielen im Tanze,i und als nun selbige Feldmusikanten sich in diese Tänzerinnen verliebt,

: wurden sie veranlasset, Liebesklagen zu verfassen, und so ward die Liebe! Erfinderin der Poesie. Das thaten die Cainiten; löblicher aber die von^ der Kirche der Erzväter, die mit ihren Gedanken im Himmel schwebten! und vornämlich Gott Lieder sangen. Nachher mag Nvah wohl nach der! Sündfluth ein Danklied, Jaeob seiner Rahel ein Hirtenlied gedichtet,s MoseS sich mit seiner Zipora auf dem Felde im Singen ergötzt haben.

! David war zugleich Schäfer und Poet und gekrönt, und darum nennen§ ihn die Pegnitzer ihren Gesellschafter. Salomon's hohes Lied ist ein^ Schäfergedicht. In Griechenland sollen Orpheus, Linus u. A. ihrePoesie aus Arkadien, dem Hirtenlande, gebracht haben. Und nun scheint! es, als ob die Zeit mit ihrem Ende „wie eine in Zirkel geschlungeneSchlange in ihren Ursprung zurückkehre," weil sie wieder ihre jetzigenPoeten zu Schäfern macht, weil Spanier, Italiener, Franzosen, Eng-länder und Deutsche sich eifernd in dieser Gattung der Dichtung ver-suchen. Die trefflichsten Kunstgedanken der Augsburger, Homburg,Schotte! u.A. seien in solchen Hirtengedichten niedergelegt. Und so gabja auch für jene gemischten, halb prosaischen, halb poetischen SchäfereienOpitz in seiner Hereynie (1622) das denkwürdige Beispiel. DieserHereynie schloffen sich unsere Poeten ängstlich in ihrer Lieblingsgattungan, und obwohl sie die Virgil'schen Eklogen auch in verschiedenen Ueber-setzungen kannten, obwohl sie den Sannazar und Sidney, und in Kues-steins von Harsdörfer verbesserten (Übersetzung die Diana des Monte-mayor gelesen hatten, obwohl Guarini's pustor Kilo schon frühe zweimalin Prosa verdeutscht war'^j, obwohl selbst in dem aus dem französischen(wahrscheinlich von FinckelthauS) zeitig übersetzten „Urtheil des Paris"(Leipz. 1645) schon das bessere Muster von einer wohlgeordneten, nichtallzuunnatürlichen Hirtenposie vorlag, so spürt man doch bei allen Peg-nitzern keine entfernte Wirkung von diesen Schäferdichtungen der Fremde.Dadurch blieben die Schäfereien der Nürnberger über alle Begriffe un-genießbar. In dieser höchst gefährlichen Gattung, aus der alle Hand-lung eigentlich verbannt ist, die also keinerlei stoffartigen Reiz bieten

177) Schon IKI9 durch Eilgerum Manlich und 1636 von Statius Ackermann(Schleufingen; neue Ausg. Weimar 1663.) Später übersetzte thu ein Ungenannter(1878 o.O.) in freien „zerstreuten" Versen und Reimen; die Uebertragungen von Hoff-mannswaldau und Abschatz erwähnen wir noch unten.