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Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.
von Schotte! mit einer Art von Stolz in die Verslehre aufgenommenund verbreitet, und Niemand machte sich hier über die puristische Taufeder neuen Kinder lustig, die zum Theil doch lächerlich genug ist. Späterwurden diese Schäfereien von Ungenannten, von Martin Limburger(Myrtillus), vor Allen von Birken in der Pegnesis (1673) fortgesetzt.Birken aber brachte zuerst in die große Leere dieser Hirtenpoesien einigenStoff, worauf wir sogleich zurückkommen wollen.
Ehe wir aber Birken's Schriftstellerei mit wenigem bezeichnen,wollen wir erst den Hauptgründer, Harsdörfer, etwas näher kennenlernen. Was Klaj angeht, so werden wir diesem im Kirchenliede und imSchauspiel wieder begegnen. Harsdörfer war Rathsherr in Nürn-berg , ein einflußreicher, viel gereifter und sehr belesener Mann. Wennman in seine Gesprächspiele, das beliebteste von allen seinen Werken,sieht, so muß man erstaunen, welche Masse von namentlich neuern aus-ländischen Schriftstellern in allen Sprachen er gelesen hat. Diese seineBelesenheit machte ihn zum Vielwisser, zum Vielschreiber und zum flachenUrtheiler. In allen seinen endlosen Schriften, von seinen Parabeln anbis auf seine „mathematischen und philosophischen Erquickstunden" machteer aus der „spielenden" Belehrung ein Geschäft, und hat sich daher venBeinamen des Spielenden wohl verdient; sein Hang zur Parabelstammt wesentlich aus der Ansicht, daß das „kunstrichtige Gleichniß" denZweck der leichten ergötzlichen Belehrung am vollkommensten erreiche;auf diese Erleichterungssucht beziehe man auch seine charakteristischeAeußerung, daß Jedermann aus seiner Poetik, dem poetischen Trichter(1648), in sechs Stunden die deutsche Dicht- und Reimkunst erlernenkönne. Der Masse seiner Schriften nach geht uns Harsdörfer nicht an,weil es meistens prosaische Werke sind, die zum Theil im Dienste derfruchtbringenden Gesellschaft geschrieben oder übersetzt sind. Dahin würdenwir die Dianea von Loredano rechnen, und die Diana des Montemayor,die er 1634 und 1646 übertrug. Dahin gehören auch seine verschiedenenGeschichtserzählungen und Anekdotensammlungen, die wir bereits frühergenannt haben, und vor allem auch die Gesprächspiele (8 Theilevon 1642—49), die noch vor Stiftung des Pegnitzordcns angefangensind. Wie die Schäfereien von Birken, wie die Träume von Quevedobei Moscherosch, so sind diese Gespräche nur eine Form, um auf tausendDinge zu sprechen zu kommen: es sind Unterhaltungen über Gesellschafts-und Redespiele, die sich etwa so an Bargagli's Kiuoolli (1581) anknü-pfen, wieMoscherosch'sPhilander anQuevedo. So wie inMoscherosch'sWerke und vielen ähnlichen sich Alles um Anekdoten dreht, so ist hier!