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Dritter Band.
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292 Eintritt des Kunstcharakrers der neueren Zeit.

im 17. Jahrh, vielfach ein^). Die Emblematiker der Fremde, dieBoissard, Saavedra, Alciato wurden in Deutschland bekannt und zumTheil übersetzt. Den letzteren nachzuahmen war der Zweck des „Hirn-schleifers" von Aegidius Albertinus, dem Sekretär des Herzogs Mari-milian von Baiern. Der Verfasser war ein Vielschreiber nnd Polyhistorwie Fischart, Spangenberg, Sommer; er knüpfte ganz im Breiten einBand mit der spanischen Literatur, indem er Ossuna's TeuselSgeißel(1602) und die breiten Werke von Anton Guevara, wenn nicht alle,so doch in der Mehrzahl übersetzte, wodurch er als ein Vorläufer zumSimplicissimus nicht unwichtig ist. In einer Reihe moralistischer Werkevon dem Buche äe oonviviis (1598) an bis zur Narrcnhatz (1617) undLucifers und Christi Königreich (1616. 18.) zeigt er schon im Anfangdes Jahrhunderts die ärgste Entartung der elendesten Tractatenliteratur,die sich sonst erst an dessen Ende einstellte. Zur Vergleichung des katholi-schen Bildungszustandes zu dem protestantischen ist Albertinus von un-schätzbarem Werthe; indem sauren Pedantismus dieses finster ascetischenGeistes athmen wir spanische Kerkerluft, wo wir in Fischart's undSpangcnberg's freier Heiterkeit und humaner Sittlichkeit im wohlthuend-sten Behagen ächt vaterländische Natur abgespiegelt sehen. Um auf dieEmblematologie zurückzukommen, so zeigt sich Albertinus in seinem Hirn-schleifer als derselbe geistlose Sammler, der zu verschiedenen Bildern dieverschiedenen Deutungen und Meinungen verschiedener „Spekulanten"zusammenstellt in breitem prosaischem Discurse. Dagegen griffen nun dieNürnberger ganz wieder den poetischen Gebrauch der Embleme aus, denjener Sudermann nnd die Aehnlichen davon gemacht hatten; ihnen gefieldiese geistreiche Verbindung von Malerei und Dichtung außerordentlich.Hieronymus Ammon, von Harsdörfer gekannt, trat in geistlichen Sinn-bildern (1647) als Maler und Dichter zugleich auf; Johann Vogel hatsinnbildliche Kupferstiche über den deutschen Frieden herausgegeben u.s.s.An solchen Kunstwerken geübt, konnte Harsdörfer wohl darauf fallen,daß die ksoultiis imaginativa eigentlich die Dichtungen schaffen müsse,daß die Poeste zu dem Sinne reden müsse, der begierig sei, Bildungenzu sehen. Er setzt daher alles Wesen der Dichtkunst in die Erfindung,

179) Wir wolle» zum Belege nur auf drei Beispiele verweisen: auf Joh. Eber-maier's HossnungSgärtlein (Tüb. 1653), auf der Landgräfin von Hessen Anna Sophia„treuen Freund Christus" (Dresden 1658) und auf Quirln Mofcherosch's PoetischesBlumenparadies. (Nürnberg 1673.)