Band 
Dritter Band.
Seite
302
JPEG-Download
 

302

Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.

sind. Während er die Braten an die Spieße gesteckt, berichtet er, sei esgegangen: all arm, all arm! u. s. f. Dann erzählt er eine Fabel: eshabe ein Pferd auf einer fetten Wiese geweidet und aus Neid einemHirsche das Futter mißgönnt, es habe um ihn zu vertreiben zum Beistandden Menschen gebeten, der ihm dies gewährt unter der Bedingung, ihmZaum und Sattel auflegen zu dürfen. Liebes Böhmen, fährt er fort, duhast so oft den Crucifirfeind gehört, höre nun einen armen Küchen-Pfarrer, auch ein Narr sagt zuweilen die Wahrheit: Du Böhmerlandbist diese Wiese, der Gaul sind die Stände und Herren, der Hirsch istder Kaiser, Bethlen Gabor ist der Mensch. Sollte dir der das Gebißanlegen? Du brächtest nichts als slavonische Dienstbarkeit davon undbist des Unglücks eigner Schmied. Dann erzählt er weiter einen nichtallzu klaren allegorischen Traum und schließt dann plötzlich: Was redich? träum ich? Ich halt, ich prophezeih dunkle Sachen, der ich lachenmuß. Wenn jetzt über diese meine Worte ein gelehrter Mann käme, undaus dieser Prophezeihung einen hochgefeierten Verstand schöpfte, undnähme die heilige Schrift zur Hand und schleppte alle V»tioiina bei denHaaren herbei, ei wie seltsame, hochgeschaffne Sachen und Grillen würdeer unter die Nase blasen aus seinem Rosenkreuze. — Das Stück ist so,daß es ein guter Protestant den Katholiken, denen es scheinbar angehört,schon um der Mäßigung willen mißgönnen würde. In den weiterenBegebenheiten des Kriegs wurde besonders Mannsfeld der Lieblingsheldder protestantischen Hoffnungen; Stralsund ward ein vielbesungenerGegenstand, wie später Leipzig und Magdeburg. Die Parteien redenbesonders laut gegeneinander in dieser Zeit des großen Wendepunktesdes Krieges. Man gab sich gegenseitig bezügliche Sachen einander zumTrotz und Verachtung heraus. Es ward ein Stück ausgegeben, wie dieverschiedenen deutschen Länder zum Schmaus ausgestellt und abgenagtwaren, Chursachsen war bis zuletzt zum Confect aufgehoben. Das Gegen-stück sagt nun: Leipzig sei es aufgetragen gewesen, das Consert vorzu-tragen, da aber sei der nordische Löwe gekommen und habe die LeipzigerSchlacht wie auch die Städte Mainz und Würzburg, Chursachsen habePrag, der Landgraf Fulda aufgetragen, und wie es mit dem Schlaftrunkgehen werde, müsse die Zeit lehren. Mehres dieser Art folgt. Nachdemder alte Hahnrei Tilly die alte Magd mit Gewalt gefreit, habe er nachsächsischem Confert, nach Merseburgischen Rüben und Leipziger BierRastrum verlangt, das hätte aber ein solches Quodlibet gemacht, als esihm der nordische Held eingeschenkt, daß er wieder Alles von sich gegebenhabe. Der rasche Glückswechsel, kann man bemerken, brachte die