324 Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.
du Hans Wurst dein Werk erreichet, und das Ziel, worauf du gesehen,wirst getroffen haben, so sei frühe und spät daran, der Hand voll Koth,oder daß ichs deutlicher gebe, den sterblichen Bürgern des ganzen kugel-runden Erdensaals, mit deiner heroischen, lieblich spielenden Poeterei,die sich höher schwinget als das vielköpfige Ungeheuer, so mit der dickenWolke der finsteren Ungewißheit eingehüllet, der niedrige Pöbel, wurm-hastig daher kriecht, kräftig zu dienen, gewisser Zuversicht eines sieg-prangenden Ruhms, womit dich die tausend Mäuler des lauten Lob-gerichts einst begrüßen, daß den Schall deines ehrenwerthestcn Namensder schwarzgebräunete Mohr auf seinem bucklichten Kameele bis an dasglänzende Partherthor zu tragen wird für die Befriedigung seines ein-zigen Verlangens achten. Die herzregenden Redner, aus derer gül-denem Munde viel tausend Ketten gehen, womit sie die bemustertenZuhörer durch eine heimliche Kraft ihnen zu verbinden wissen, diese,sage ich, werden deine nie genug gelobten Weisheitsblätter bis zu demlichten Silber des am demantvollen Himmelschlosse huldprächtig glim-menden Venussternes, deiner wunderbeweglichen Lieblichkeit halber, mitübereinstimmendem Rufe erheben. Die aufgeflammten himmelbegabtenPoeten aber, die Geister, die dem krausen Lockenheger, dem immer jun-gen Museufürsten, dem Phöbus, durch den wettersicheren triumphreichenLorbeerkranz geheiligt, und welchen der große Himmelvogt, der donner-herrschende Jupiter, die übermenschliche Art zu schreiben verliehen, diese,diese werden voraus unablässig sein in dein himmelbreites Lob mit pfeil-geschwindem Fluge zu gehen, und dasselbe dahin bringen und fügen, woes kein Eisen verzehrender Rost, kein Marmor bohrender Regen, keinbaufressiges Alterthum wird beschädigen oder zu Grunde richten, ja woes auch weder der tadelsüchtige Nächtesohn, der hündische Momus, nochder leichenblasse, schlangenfressige Neid zu verunglimpfen nimmermehrsich wird unterwinden dürfen."
5. Geistliche Dichtung.
Wenn sich der Leser in den nächstvorhergehenden Abschnitten überleeren Namen gelangweilt, in unserer Darstellung Interesse vermißt undaus den Sachen keinen Gewinn gezogen hat, so ist es uns gelungen,eben die Wirkungen hervorzubringen, die die Gegenstände unmittelbaraus der ersten Hand auf den Leser machen würden. Wir wollen bei derFortsetzung der Geschichte des Kirchenlieds, da wir die Gattung über-haupt bereits kennen und in den neuen Heimathen der Dichtungen jetzt