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Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.
Arbeiten ein unselbständiger Anbeter Rist's nnd Opitzens, in seinerneugestimmten Davidsharfe (1656) nur darauf aus, Opitzens treueUebersetzung mit der von Luther zu vereinigen, um der Einfältigen wil-len, deretwegen er auch die Melodien Lobwasser's entfernt. Die PsalmenLandgraf Ludwig's von Hessen (1657) kennen wir nicht selbst. Den latei-nisch-deutschen „davivischen Jesuspsalter" (1670) des Augsburger Pfar-rers Narciß Rauner führte Spener empfehlend ein. Er ist in den zweiSprachen (zuerst lateinisch) in gleichen Versmaßen gedichtet mit Be-nutzung älterer Ucbersetzungen, dadurch ist er dem Tone der alten Zeitnahe geblieben; wie denn Rauner auch in seinen kurzen Liedern über dieEvangelien (heilige Jesus-, Sonntags- und Festfreude 1680) den tüch-tigen Sinn, den traulichen Ton, den taetvollen, von Ueberschwenglichkeitund Plattheit gleich fernen Ausdruck des Kirchenliedes des 16. Jahrhs.festhielt. Man muß sich nicht wundern, daß der Eifer für David's Hym-nen auch in diesem Jahrhundert gar nicht aufhörte, denn jeder fand nocheinen neuen Gesichtspunkt, jeder hatte eine besondere Veranlassung; Alleübersetzen ihn Anfangs nur znm Hausgebrauch und finden dann, daß dieKinder einem Vater daheim nichts nütze sind, und schicken sie bei besse-rem Besinnen in die Welt. Die eine Uebersetzung ist nicht treu genug,die andere zu treu, in der Einen fehlt das Wort, in der andern der Geist,die eine ist zu hochtrabend und weltlich in Worten, die andere in Me-lodie. Dies stellt Justus Sieber von Einbeck so zusammen, der nach einerhalb weltlichen Dichterperiode in seiner Jugend (poetisirende Jugend,Dresden 1658) noch 1685 mit seinen Harsenpsalmen den CorneliusBecker verdrängen mußte, an dem auch Stöcken aussetzt, daß seine Federnoch keinen poetischen Schlitz gehabt. So hat der Graf von Hohenberg,den wir schon als Epiker kennen, in seinem Lust- und Arzneygarten Da-vid's (1675), außer der emblematischen Ausstattung dieser Psalterüber-setzung wieder das Besondere, daß er sie mehr fürs Gebet als für denGesang zurichtet. Und so geht dies bis ins 18. Jahrh, in einer Reihevon Ucbersetzungen von Stechovius (1680), Chr. Dedekind (1669),Mich. Müller, Dürkop, Anna Behaim u. A. fort.
Innerhalb der Bibel suchte man übrigens, nachdem sich die Psal-men so vervielfältigten, fortwährend nach neuen Stoffen. Wir wollennicht namentlich aufführen, wie viele Evangelien und Episteln noch ge-reimt wurden, wie viele Bibelsummarien man als aäiuinieula für Kinderin Distichen oder Tetrastichen brachte und wie man dabei bis zu demGrade kurzgefaßter Registerpoesie gedieh, daß Einer alle Kapitel derSchrift in eine Reihe von Liedern, ein Anderer sie in blos zwei etwas