Geistliche Dichtung.
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längere Gesänge zusammenfaßte! Solche Gedächtnißbibeln und biblischeDenkringe ziehen sich durch das ganze Jahrhundert hin. Viel wichtigerist uns hier, daß man nach Opitzens Vorgang suchte die übrigen zur! lyrischen Behandlung geeigneten Theile der Schrift in Lieder zu bringen,
i So ward Jesaias von Martin Milag (1646) in 114 Gesängen nach
den Lobwasserschen Psalmenmelodien übersetzt. Wie sehr Milag vonRist erbaut ist, so steht er doch fast Lobwasser näher als den Opitzianern,und er warnt auch in der Vorrede zu seiner ganz dem Lutherschen Tertangeschlossenen Uebersetzung vor dem gar zu genauen Zwang in derdeutschen Poesie, damit sie nicht undeutsch und insgemein widerlichwerde: so daß wir auch hier wieder die allgemeine Abwehr gegen dieneue unluthecische, fremdartige Sprechart innerhalb der Kirchendichtungfinden, die uns unserer Sprache eigene Natur bis auf Klopstock hingegen den Eindrang fremder Elemente erhalten mußte. Eben so wurdeJesus Sirach von Mich. Schirmer in Leipzig (1655), später von Joh.Hildebrand (1662) und noch später von Anderen im lutherischen Ge-wände übersetzt. Nichts aber wurde häufiger und verschiedener behandelt,als das hohe Lied. Finckelthaus (1638), Albinus (Salomons Enged-disches Gartenlied 1653), Ernst Müller u. A. haben es theils in Lie-dern, theils in Alexandrinern und gesprächweise übersetzt. Die Neigungzu der Schäferpoesie führte zu diesem Gegenstände hin. Von hier ausgehen die katholischen Tändeleien, die süßlichen Vorstellungen von demBräutigam Christus, die „geistfeurigen Liebes - Uebungen der in Gottverliebten Seele" in das Kirchenlied über und drohen hier und da denalten ehrbaren Ton zu verdrängen und den protestantischen Sinn zuuntergraben; ja auch ein weltlicher Ton und eine größere dichterischeZierde gingen von da aus gleichsam gerechtfertigt in die geistliche Dich-tung ein, weil dort geistliche Dinge im weltlichen Gewände vorgetragensein sollten. Ganz so, wie man in der Exegese von der einfachen Auf-klärung des Wortverstandes in Luther's und Melanchthon's Art zu denfeingesponnenen mystischen, allegorischen und moralischen Auslegungennach Art der kaum erschütterten Scholastik überging, ganz so wie mansich von den einfachern Schriften wegwandte und sich mit Vorliebe aufdie Offenbarung warf, so geschah es in der Dichtung, indem man vondem Schlichteren zum Phantasievolleren überschritt. Der Uebergangvom Psalter zum hohen Liede, der häufige Gebrauch dieses Musters stattjenes, macht den Kern der Veränderungen in der geistlichen Dichtungdieser Zeit aus. Die Dichtung wird schmuckvoller und läßt sich dadurchverleiten, nicht allein unprolestantischen, katholischen Schmuck in der