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Dritter Band.
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Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.

Weise der alten Marienlieder wieder anzulegen, ja in den Preis derJungfrau wieder einzustimmen, sondern auch aus der heidnischen My-thologie dichterisches Zierwerk zu borgen. Es ist daher sehr bezeichnendfür diese Fortschritte des Katholicismus, die in gleicher Zeit in der Lite-ratur wie im politischen Leben sichtbar werden, daß mehrere Dichter vonBedeutung, die Bälde, Spee, Scheffler, in der römischen Kirche jetztauftraten, die dem Ansetzn des protestantischen Liedes eine Zeit langordentlich Eintrag thun konnten. Seltsamerweise ging diese Reaktionvon denselben Gegenden (Elsaß, Niederrhein, Baierry aus, von wo im14. Jahrh, durch Minoriten und Mystiker eine Art verfrühter Reforma-tion gegen den römischen Stuhl ausgegangen war; ja es lehnte sich diejetzige ultramontane Rechtgläubigkeit, in der Dichtung wenigstens, ge-radezu au jene frühere citramontane Ketzerei wie an eine natürlicheStütze an, obwohl schon in jenen Zeiten selbst unser Leibuitz mit scharfemBlick die pantheistische Verwandtschaft Scheffler's mit Spinoza, d. h.dieselbe ketzerische Eigenschaft entdeckte, die später wieder Hegel an ihmwie an Eccard bewunderte. Derselbe Daniel Supermann, dessen geist-liche Embleme wir schon oben genannt haben, schrieb (Franks. 1622)„hohe geistreiche Lehren und Erklärungen über die vornehmsten Sprüchedes Hohen Liedes Salomonis von der lieb habenden Seele;" wir sindda ganz in dem Gesichtskreise unserer Eccard'schen Mystiker und erneuernam Schlüsse unsere alte Bekanntschaft mit der Tochter Sion. DerselbeMann gab auch die Lehren des Bruder Heinrich Vigilis von Weissen-burg von den sieben Graden der vollkommenen Liebe von 1489 wiederheraus. In einer Reihe einzelner Blätter ferner bringt er in Reden,Klagen, Liedern die alten Vorstellungen von der Gemahlschaft der Seele,alte Sätze und Predigten von Tauler, Eccard, St. Augusti» über dieAbgeschiedenheit der Seele und ihre Erledigung ab allem Creatürlichenin poetischer Erneuerung wieder. Bis zum Jahre 1628 endlich warenvier Theile von je 50 „schönen auserlesenen Figuren und hohen Leh-ren von der begnadeten liebhabenden Seele" von ihm (in Straßburg)erschienen, theils Sprüche, theils Lieder über dieselben Gegenstände, dieals augenscheinliche Vorbilder und Vorläufer der Spee'schen Dichtungsehr wichtig sind. Alles ist in einer gewissen logischen Trockenheit be-handelt, in einer mehr evangelischen Schlichtheit und in engem Anschlußan Bibelsprüche, wodurch sich Sudermann von den Spee und Bäldeunterscheidet. Auch dieser letztere, der Jesuit Jacob Bälde, (1603—68) war aus dem Elsaß und lebte in Baiern; er wie sein blinder Nach-ahmer Joh. Ulrich Erhard (rosotuw parnassieum 1674) dichteten halb