Band 
Dritter Band.
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Geistliche Dichtung.

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deutsch, halb lateinisch. Als lateinischen Dichter hat man Bälde wohlmit Horaz vergleichen hören ^"). Uns würde die Gewandtheit seinerDichtung nicht verleiten, den Lurus seiner Verskünste und den mehr alsSeneeaischen Schwulst darin zu übersehen. Noch auch könnte uns seinehypochondre Zerrissenheit erbauen, die so unerquicklich verschieden istvon der elegischen Trauer eines Andrea über die Lage der Zeit. Nochauch die Wiederkehr dieses Lobredners der Hagerkeit zu jenen mystischenAbtödtungslehren, die den Tod als das Fröhlichste im Leben, das Nicht-leben als Würze des Daseins ansehen, ganz nach der Weise jener altenMiuoriten. Bälde hat viele seiner lateinischen Gedichte deutsch wieder-gegeben, und es ist nichts aufschlußreicher über die Ausartung derSprache hier im Süden, als diese seine deutschen Reime zu lesen. Wasin seinem sinnbildernden poema äe vnnitate muiuii (Monadu 1638) imLateinischen tragisches Epigramm war, wird im Deutschen zur drolligenPosse und es wird hier, wie auch in dem selbstübersetzten Agathyrsus(Lob der magern Gesellschaft, 1647) doppelt auffallend, daß er bei seinerepigrammatischen Ader seine scharfen gegensätzlichen Sprüche in einerSprache ausdrücken will, die er nur in der rohesten Weise zu handhabenweiß. Es war ein wahres Heil für die oberdeutsche Sprache, daß sieseit etwa 200 Jahren das mittlere Deutschland und jetzt der Norden ansich nahm: unter den Händen der Bälde, der Klaj und Abraham a Sta.Clara wäre sie immer mehr versunken. Auf die deutsche Dichtung hatübrigens Bälde mir seiner lateinischen entschieden gewirkt. MehrerePegnitzer übersetzten Werke von ihm wie seinen Trost der Podagrischenu. A. Sein Erfindnngssinn, der ihn wie die Nürnberger geringschätzigaus jene herabsehen hieß, die aus den alten Poeten ihre Dichtungen zu-sammenstöppelten, stellte ihn jenen eben so nahe, wie seine Großrednerei.Oder auch wie seine schäferiichen Liebhabereien. So hat Joh. L. Fabersein „Jesu Erhöhung und Judas Verschmähung" (1667) übersetzt, einwechselndes Schäferlied, wo Tityrus den Heiland unter der Figur einesgestorbenen Schäferprinzen Daphnis besingt und Lyridas seinen Ver-räther Judas verwünscht. Andreas Gryphius ferner hat für seine geist-liche Poesie, angeregt durch das Phantasievolle in Balde's Dichtungen,vieles von ihm gelernt. Gerade so wirkte der bekannte Polyhistor Kas-par von Barth (l587—1658), der sonderbare Freund Buchner's undOpitzens, mit seinen lateinischen und sonstigen Poesien und Schriften

199) Bekanntlich hat ihm Herder ein Cenotaphium gesetzt, in dem viel zu vielToleranz ist.