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Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.
auf Kuhlmann und Aehnliche; seinem deutschen Phönix (1626) nachkönnte er auch ganz neben Bälde genannt werden, denn hinter diesemGedichte von der Unsterblichkeit der Seele würde man einen der altenscholastischen Sinnbildner vermuthen, keinen Protestanten des 17.Jahrhs.Seiner Wirkungen auf die deutsche Dichtung wegen mußte Bälde beson-ders hier genannt werden, und zugleich um an ihm, wie noch mehr anSudermann, zu zeigen, daß der gleichzeitige Spee nicht eine vereinzelteErscheinung war. Friedrich von Spee aus Kaiserswörth (1591—1635), in Köln, Hildesheim und Trier thätig, ist unter den protestan-tischen Dichtern der damaligen Zeit weit mehr ignorirt, als Bälde, weiler als deutscher Dichter, der mit den Lateinern ausdrücklich in der Volks-sprache wetteifern wollte, gefährlicher war, als jener. Neuerdings ist erwie Bälde durch die Schlegel, Brentano und Wessenberg wieder hervor-gezogen^«) und mitunter allzuviel gerühmt worden, wie Bälde undScheffler auch. Es ist wahr, er ist vielleicht an Sprachfluß und zierlicherGeschmeidigkeit allen Dichtern des Jahrhs. so überlegen, wie Gottfriedvon Straßburg seinen Zeitgenossen; kein Dichter der Zeit erinnert auchso an die Minnesänger, weil seine Andacht sich wie die Liebe der Ritters-leute in der Mitte von Spiel und Empfindung bewegt, und weitereinen Ton von Naivetät anschlägt, die nur nicht ächt und rein ist. Ob-gleich er die neue Accentregel gefunden hat, so theilt er doch sonst nichtsmit den gelehrten Kunstdichtern, ist in Reimen und Grammatik ganzVolksvichter, strotzt von Anklängen aus dem weltlichen Volkslied undschließt sich in seiner halb italienischen Manier ganz an Hermann Scheinan, den man gleichfalls kennen muß, um zusehen, daß Spee's Tonkeineswegs unvorbereitet war. Er ist sinnlicher, als je ein protestantischerDichter im Kirchenlied zu sein wagte, er personificirt die Mächte derNatur, führt die Diana ein und stattet Mariens Knaben mit den Attri-buten Cupido's aus. Die Lieder, in denen er die Macht und LiebeGottes an den Werken der Natur schildert, sind mit Recht oft empfohlenworden, selten jedoch »»verstümmelt. Im klebrigen ist der Umkreis seinerPhantasie klein und man wird seiner Dichtung nicht froh. Die geist-liche Poesie will noch lieber erhebend, als dichterisch sein: man vergleicheSpee's Lied: „da Jesus an dem Kreuze stund" mit einem gleich begin-nenden anonymen, das an Christus 7 Worte kurz erinnert; jenes isteben so bildlich und dichterisch, als dieses lehrhaft, allein die Erhebung
200) Seine Lieder sind I» seiner Trutznachtigal. Cölln 1649, und in dem gülde-ne» Tugendbuch. Ebd. 1649.