Band 
Dritter Band.
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Geistliche Dichtung.

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in diesem einfältigen Liede wirkt ungemein viel mehr als die Dichtkunstdort. Im Hintergründe lauert bei Spee der katholische, in Bälde grellerhervortretende, AbtödtungSsinn, der alles Irdische demKothe gleich setzt,der schnöden Welt ein stetes Ade sagt, allen Scherz als Qual ansieht,und in Buße und Reue die Büchlein der Augen zu steten Flüssen anzu-schwellen ringt. Es ist aber als ob dieser finstre, saure Sinn verstecktwerden sollte, als ob diese Lieder jene Freudigkeit heucheln wollten, zu-sammt jener Frömmigkeit, die die Protestanten an den katholischen Ge-sängen vermißten. Allein diese überirdischen Seufzer der begierigenSeele, die sich zum Täublein wünscht, um sich inö himmlische Heer zuschwingen, diese Verzückungen in den Himmel sind nicht die Ausdrückejener Frommheit, die vielmehr den Himmel herabzieht auf die Erde, undjene schmachtenden Gebärden dch hier abgeschildert werden, sind dieKennzeichen verschrobener Natur. Die Gottesliebe ist hier eine Leiden-schaft, nicht die stetige Hingebung der Protestanten. Wenn nur Jesuserwähnt wird, so springt die Seele auf, quillt der Muth, hebt sich dasBlut vorn Grunde, will die Seele gern Flügel leihen und vas Herz inStücke brechen! Das abgetretene Gleichniß von der Gemahlschaft derSeele wird in dieser brünstigen Stimmung auch von dieser sinnlicherenDichtung wieder hervorgesucht. Schilderungen und Gleichnisse werdendem hohen Liede entlehnt. Die Gespons Jesu liebäugelt mit dem Bräu-tigam , spielt im Wald mit dem Echo und schlägt den Namen Jesu wieeinen Ball mit ihm hin und wieder; sie leidet im kranken und doch ge-sunden Herzen des Schmerzes Süße und Herbheit. Dann gleitet manüberall bald aus dieser Verzückung, bald aus Vertiefungen in die Ge-heimnisse der Dreifaltigkeit, wo der Verstand verloren gibt, in Tändeleiund Spielerei über, und wenn jene Evangelienreimereien der Protestan-ten oft das Kleine und Dürftige groß und würdig zu behandeln streben,so wird hier das Erhabene zum Spiel der Kinder gemacht; Der Dichterläßt sich wie ein mit seiner Jugend tändelnder Katechet herab und ruftjeden Augenblick ein Aha! da recht! ei da! im Kindertone zwischenseine Lehren. Die Protestanten wollten gern den Ton von David'sHarfe oder gar die Engelstimmen treffen, aber dieser sagt selbst, er singlewie ein Vögelein mit wohlgeschliffnem Schnäbele«:. Das Anziehendste

201) Im Tugendbuch z. B.:

Wan mir so slät von Augen die regen fallen ab,

und g'ficht wil nit mehr taugen, auch kaum mehr geister hab,

laß ich mein Haupt geschwinde zur selten sinken hin,

und seuffz dann also linde mit sanftem anbegin rc.