Geistliche Dichtung.
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Alles sich jener katholischen Liedermanier annähert. — Besonders beiden Pegnitzern und ihrem Anhang stellten sich dieselben Eigenheitenein. Wenn man Klaj's Weihnachtslied (1644), die Bearbeitung vonBuchner's Joas (eines Gedichts das Klaj früher s1642s auch blosübersetzt hatte), oder wenn man seine Weihnachtsgedichte (1648), An-dachtsliedcr (1646) und seine sonstigen geistlichen Werke lieft, so würdeman glauben, einen Katholiken vor sich zu haben, wenn man nicht wüßte,daß er Protestant war. Er besingt die Gottesgebärerin wieder mit denalten Benennungen Aaron's Ruthe, Jacobsleiter u. s. w.; er scheut sichnicht, wie Spee die unzarten Gleichnisse der alten geistlichen Dichtungzn gebrauchen und zu sagen, daß uns Christen, da warmes Bocksblutden Diamanten erweiche, weit mehr das Blut Christs des Versöhnungs-bratens, bewegen müsse; er singt Schäferlieder voll Honig bei demKripplcin Jesu, macht schmelzende Wiegengesänglein, gegen die selbstSpee an Tändelei zurückstehen könnte. Harsdörfer's geistliche Liedertheilen mit Spee's die weltliche, unliturgische Manier, das Finstere undMystische mischt sich in die Grundbetrachtung der religiösen Dinge beiihm ein. Ganze Lieder voll der alten Anrufungen und Benennungenfinden sich bei ihm, wie bei dem mit den Pegnitzern verbrüderten Schottel.Der unprotestantische, finstere Geist in Schottel's „Vorstellungen" istschon oben bezeichnet worden; von seinem Lustgarten (1647) abgesehen,zeigt er sich noch von weiteren katholisirenden Seiten in seiner emblema-tisch behandelten „Namenschr Jesu Christi" (1666). Ein paar Beispieleaus diesen Emblemen mögen uns auf die innere Aehnlichkeit dieser Dich-tungen mit den Spee'schen schließen lassen. Die christliche Seele erscheintauf einem Kupferblatte bei eröffneter Thür, den König der Ehren zuempfangen; in brünstigem Sonntagsseufzerlein spricht sie ihre höchsteVergnügung an dem Namen Jesu aus, sie läßt in solcher BetrachtungHimmel und Erde dahinter. Oder sie zeigt, stiller Ruhe mit Wollustergeben, ihrem liebhabenden Gölte das Flämmlein ihres Herzens, so garklein und ohne Rauch, doch sehnt sie sich damit den Himmel zu füllenund bei Gott der Nächste zn sein. Oder sie ist bedacht auf die Kindschaftdes Lichtes und das Eigenthum nicht irdischer Herrlichkeit, tritt in so-thaner himmlischer Anleitung verzückt immer höher himmelein und vergißtaller weltlichen Anreizung. Neben Schottel stand in Wolfenbüttel Glase-napp, in dessen verschiedenen Liederwerken gleichfalls die heitere
202 ) Evangelischer Weinberg, Wolf. 1651 . Weinstock Christi 1652 . Neue Wein-lese 1648 . Christi. Reben oder Lsalmen 1652 .