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Dritter Band.
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334 Eintritt des Kunstcharakters der reueren Zeit.

protestantische Zuverstchtlichkeit und Kraft veiloren geht und mit Eiferund Selbstpeinigung vertauscht wird. Bei angestrengterer Andacht wirdAlles weltlicher, bei allem Auswand des Vertrags bleibt die Sprachevolksartig und roh, und die neue Verskunst virnachlässigt. Durchgehendschwindet die tiefere Andacht der eigentlich piotestantischen Lieder; dasMythologische, die Person Christs, die Vereinigung der Seele mit Gottund dergleichen wird der Gegenstand dieser Gisänge. Verwandt mit demrohem Tone, der hier herrscht, sind Mittemacht's feuerheiße Liebes-flammen einer in Jesu verliebten Seele (1653,, auf die man sogar un-mittelbare Einflüsse der Spee'schen Manier annehmen möchte. WerJohanssen's sulamitische Freudenküsse einer gläubigen Seele (1662),Benj. Prätorius' spielende Myrtenau (1664) und jauchzendes Libanon(1659) Gelegenheit hat anzusehen, der findet auch hier den Salomoni-schen Ton und die überschwengliche Andacht wieder. Homburg's geist-liche Lieder (Jena 1658), die er in Krankheit gelobte, sind dem Seelcn-bräutigam Christus gewidmet uud gleich die beiden ersten sind aus demhohen Liede zusammengezogen. Auch hier sind die honigsüßen NamenJesu Gegenstand einiger Lieder, auch hier wird die materielle Vereinigungmit Christ gesucht: er schmeckt der Seele wie ein himmelsüßer Bissen,riecht ihr wie Balsam, seine Liebe ist ihr süßer als candirten ZuckersKraft. Mit gedrücktem Sinne wird das Leid als Scherz und Prüfungangesehen und empfindungslos verbissen; Hauskreuz ist der Stifterder Tugend, ein Merkmal von Gottes Huld und der wahre Weg zurSeligkeit.

Wir wollen zu einer anderen nicht lyrischen Gattung geistlicherDichtungen übergehen, wo wir stufenmäßig denselben Gang, von Ein-fachheit und Trockenheit zu inbrünstigem Schwulst, dieselbe Rü ckwendungzu katholisirenden Vorstellungen finden werden und noch größere welt-liche Freiheiten. Opitz, bemerkten wir oben, gab mit seiner Uebersetzungjenes Heinsischen Hymnus und seiner eigenen Nachahmung desselben dasZeichen zu einer ganzen Masse von Hymnen in Alexandrinern, die sichmeistens um Betrachtungen entweder der Geburt oder des Todes Christidrehen. Alle jene jungen Dichter um Opitz und Büchner haben meistensdiese Form und diese Gegenstände erwählt. Diese den Alten nachgeahmteGattung sollte antiken Anstrich erhalten und die ganze heidnische Mytho-logie zog hier ein. Bartas, Heinsius, Stolterfoth, Opitz selbst hattediese Sitte aufgebracht und erst später eiferte man gegen ihre heidnischeWeise. Jeder Verehrer von Opitz hat wohl einmal solch einen Hymnusgemacht: Fleming, Ziegler, Rist, Tscherning, Katharina von Friesen,