Geistliche Dichtung.
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Willebrant in Revas und viele Andere; Alle schrieben diese Stücke inder planen, gelehrten und bei aller erstrebten Erhabenheit trockenenManier Opitzens. Allmäh lich aber läßt man, wie in dem ganzen Gangealler Dichtung dieser Zeit sichtbar ist, das Antike mehr fallen und suchtalsdann christliches Schmuckwerk wieder. In Ziegler's 20 Elegien überdas Leben Christs haben wir einen kleinen Kreis von epischen Hymnen,die wie alle diese Gedichte als rhapsodische Vorläufer des christlichenEpos angesehen werden dürfen; eine davon ist eine Ekloge. Das Ganzeist durchaus in Opitzens Art, allein schon wird der Christenstolz sichtbar;der Dichter beschäftigt sich bei Betrachtung des Erlösuugswerks stets mitsich, wie es Gott so viel gekostet ihn zu erlösen, daß er sich zum Sclavenund Knecht gemacht. Wie viel muß der Mensch also werth sein! wienah lags ihm, sich recht nahe zur Gottheit zu rücken! Nun folgen schonbald solche Passionsgemälde, die mehr „mit blutfließender als dinten-nasser Feder" entworfen sind; nun wagt ein Hauptmann Basse in seinemandächtigen Seelenspaziergange (1652), einer Passionsgeschichte, nichtmehr die Muse als seine Gesangsgöttin anzurufen, sondern die Sula-mitin, und nicht mehr der Parnaß, sondern Golgatha ist sein Musen-berg. In dem Gedichte herrscht schon ein frommer Ingrimm, der keinengemeinen Ausdruck scheut, eine gespannte Erhabenheit, die widerlichwird, und vieles alte Bilderwerk der katholischen Vorstellungen tritt her-vor. Der ältere Joh. Georg Albinus von Weißenfels dichtete^) danneine ganze Reihe solcher Hymnen, die uns hier besonders von Belangsind. Er bindet einen Cypressenkranz aus den 5 Wunden Jesu (1650):„mit über die Nacht emporgehobenem Sinn aber krankem Haupt, ge-hemmten Lebenslichtern, knackenden Gliedern, einem wie gebackenen Leibund schlotternden Zähnen" aus Ergriffenheit über Christs Tod. Mithyperbolischem Schwung häuft er geschmacklose Bilder und Vergleichun-gen, Concepte nach italienischer Art und Heinsische Epithetenlast undpausbackige Beinamen. Was die Satiriker bisweilen von Beispielenlächerlichster Ueberstiegenheit anführen, die man für erdichtet haltenmöchte, wird in Wahrheit in diesem Gemisch von Plattheit und Dunstüberboten. Der Dichter gewöhnt uns aus ungeheuren Stelzen von Wor-ten und Sätzen gespreizt einherzugehen, und ehe wir uns umsehen, schlägter uns die Stelze weg und wir liegen im häßlichsten Kothe. Die tollsteManier der alten kabbalistischen und apokalyptischen Gnomiker kehrt hierwieder; Häufung von Gewächs- und Steinnamen, Verstärkung des
203) Geistl. und weltl. Gedichte. Leipzig 1679.