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Dritter Band.
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Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.

Tons durch endlose Wiederholung des betonten Begriffs, ganze Reihenvon gleichen Ausrufungen, eine Fülle von vollklingenden Lauten u. dgl.In der „Qual der Verdammten" (1653) gibt ihm besonders der Prozeß,die Folter, das Geschrei der Verdammten und Teufel einen erwünschtenStoff für seine Feuerwerkspoesie; denn einen ähnlichen Eindruck machtdies Geprassel von Wortraketen und Schwärmern, hinter denen nichtsals Nacht und Nebel liegt. Wir könnten noch Andere, wie Frenzel, Fein-ler, Bellin u. s. w. zu dieser Schaar setzen, wollen uns aber lieber nochzu Betrachtung einer anderen Seite dieser neuen unprotestantischen Ele-mente wenden, die in die Kirchendichtung jetzt einbrechen.

Die bisher genannten Abarten waren meistentheils dadurch charak-terisirt, vaß sie mehr dichterischen Schmuck in sich einzunehmen suchten,als der alte protestantische Gesang zuzulassen schien; die religiöse Demuthward unter dem anspruchvollen Dichtergewande unsichtbar. Bei allemHereinspielen alter, mystischer Begriffe und Vorstellungen sind doch dieseLieder oder Gedichte mehr äußerlicher Natur und suchen einen poetischenKörper, bei aller Hitze der Andacht ist diese mehr ein flackerndes Feuer.Wir wollen einige Dichter von mehr innerlichem Zuge entgegensetzen,denen die Poesie und ihr Schmuck nichts galt, Alles aber die mysteriösenLehren und Geheimnisse, die sie darin besangen. Diese Männer müssenwir in Schlesien suchen und unter ihnen steht am ausgezeichnetsten Joh.Schessler, gewöhnlich Angelus Silesius genannt (1624—77),aus Breslau^oH. Wir dürfen, um ihn zu erklären, nicht vergessen, daßSchlesien eine Heimat der Schwärmerei und des Fanatismus ist, daßhier die Schwenkseld und Böhme ihr Wesen trieben, daß in Breslau dieJesuiten seit 1638 eine feste Stätte hatten und hierdurch der Zusammen-stoß des Protestantismus und Katholicismus hier besonders fühlbarwerden mußte. Die Beschäftigung mit der mystischen Theologie derBöhme, Schwenkfeld und Val. Weigel, der Umgang mit Böhme'sSchüler von Franckenberg und wohl auch mit dessen chiliastischenund kabbalistischen Freunden in Amsterdam führten (1653) den UebertrittScheffler's aus der evangelischen zur römischen Kirche, und bald auchaus dem ärztlichen in den priesterlichen Stand, zum großen Aergernisseseiner Landsleute herbei. Neuere Abtrünnige, wie Friedrich Schlegel,haben sein Gedächtniß unter uns erneuert; man hat sich, besonders in

284) Vergl. A. Kahlert, Angelus Silesius. Bresl. 1853.

285) Scheffler's „Ehrengedächtniß" auf Franckenberg bei dessen Tode 1652 ist beiKahlert a. a. O. S. 32 ff. abgedruckt.