Band 
Dritter Band.
Seite
337
JPEG-Download
 

Geistliche Dichtung.

337

Baiern und in Berlin (schon im 18. Jahrh, und neuerdings wieder) fürden Abdruck seiner Schriften viel bemüht und hat denen, die sich hier-gegen erklärten, Mangel an innerem Aufschwung vorgeworfen. Die! Erscheinung selbst steht (ganz abgesehen natürlich von den gezwungenenApostasien, die in Schlesien regimentsweise betrieben wurden) nichtsweniger als vereinzelt da und wir brauchen die Beispiele dazu nicht vonden Fürsten wie Anton Ulrich und Johann Friedrich von Hannover, oderden Gelehrten, wie Besold, herzuholen, wir haben sie unter den Dichternhäufig genug. In dem Pegnitzorden, den ähnliche Schwärmereien be-rührten, finden wir einen Adam Negelein (Celadon), der sich in Wienkatholisch und zumHofpoeten machen ließ. EinLudwig vonHornigk ausDarmstadt, Pfalzgraf und Dichter eines Liedes auf Gust. Adolph's Tod,ward 1647 gleichfalls in Wien papistisch. In Schlesien trat der aucherst neuerdings hervorgezogene Samuel von Butschky (1612—78) zumKatholicismus über und ließ sich von Leopold adeln; und der einzigeSchriftsteller jener Zeiten, der ihn außer Morhof erwähnte, ist derSchauspieldichter Hallmann (fi 1716, auch ein Schlesier), der gleichfallsrömisch ward. Butschky's parabolische Betrachtungen über die verschie-densten Gegenstände der Welt^«) zeigen uns in ihm bald einen Hars-dörfer, bald einen Andreä in Schlesien und das Mystische dieser in ver-hältnißmäßig reiner und ungeschminkter Prosa geschriebenen Schriftennähert ihn unserer Gruppe von mystischen Dichtern in Schlesien bedeu-tend. Das Ueberspringen von dem Einen Glauben zum Andern war beiden vielfachen Annäherungen der Theosophen beider Bekenntnisse einfachund natürlich. Wir werden daher gern zugeben, daß der UebertrittSchcffler's nicht wie der so vieler seiner Zeit- und Landesgenossen ledig-lich von äußeren Rücksichten auf Ehre und Einfluß bestimmt war, ob-gleich auch diese ihm nicht fehlten. Ein Mann so tief eingeweiht in dieIrrungen der mystischen Theologie mußte sich, wenn nicht heimischer, sodoch heimlicher in der Kirche finden, die es innerhalb ihres Schooßesmit den Satzungen der Rechtgläubigkeit nicht so genau nahm, wie dieargusäugigen lutherischen Theologen. Die Beschuldigung aber einernur feineren Art von äußerlicher Rücksicht, die in diesem Satze gelegenist, kann man Schefflern schwerlich ersparen. Denn keineswegs hat erspäter in seinem erbosten Kampfe gegen die Lutherischen, der in dem In-halte der eeelesiviogia (1677) verewigt ist, die innige Ueberzeugungstreue

206> Vergl. Hoffmann in der Monatsschrift p. 3K9 und die Auszüge in den Mai-nnd Junihesten; und Hoffmann's Spenden zur d. Lit. G. 1S Bündchen.

Ger», d. Dicht. IN. Vd. 22