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Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.
und vielseitigste aller Dichter des 17. Jahrhs. dahin, daß er zwar dies-mal poetische Erfindungen und Farben in seinem heiligen Werke vermeide,diesmal zum Grab des Erlösers nicht theure Aloen und Myrrhen bringe,sondern nur schlechte Leinwand; aber Ehre heischt er doch für jede Feder,die bei dem großen Sühnaltar des Sohnes Gottes höher fliegen wolle.Denn ich bin, sagt er, der Meinung gar nicht zugethan, die allen Schmuckder Dichtkunst aus Gottes Kirche bannt, da die Psalmen oft mit derschönsten Art zu reden die himmlischen Geheimnisse ausdrücken. Solltedas hohe Lied darum nicht heilig sein, fragt er, weil ich es nicht ver-stehe? Die letzten Gedichte Ezechiel's nicht vortrefflich, weil sie dunkelfind? Die Offenbarung nichts nütze, weil darüber die gelehrten Aus-leger zu Kindern werden? Der 45. und 68. Psalm nicht voll heiligesGeistes, weil sie zierlich und verblümt sind? Wenn etlicher Geister Un-art die edelsten Gaben Gottes mißbrauchten, so müsse dies doch nicht soschöne Künste aufheben! So entschieden und kräftig hatte kein Anderergewagt gegen die eifrigen Theologen zu reden. Hier in diesen Thränenzeigte ihnen Gryphius, daß er in Luthers einfachem Tone, sogar bis zurVernachlässigung der neuen Versregel, sprechen konnte; es sind Passions-lieder, die betrachtend die Leidensgeschichte erzählen, ganz schlicht, ob-wohl allerdings von den gewöhnlichen Evangelienreimereien sehr ver-schieden. So ist Gryphius auch in seinen sonstigen geistlichen Liedernbemüht, den einfachen protestantischen Gang festzuhalten, obwohl er nichtseine finstre Stimmung verstecken, seine poetische Farbgebung nicht ganzverhalten konnte. Gryphius hatte sich im Prudentius und Clemens, inneuern lateinischen Dichtern besonders im Bälde umgesehen; er hat treuund schön mehrere lateinische Kirchenlieder übersetzt; er muß mit Hoff-mannswaldau ganz eng zusammengestellt werden, der ihn entzückt, derihm nichts als Wunder spricht. Beide Dichter bezeichnen mit Lohensteinden Zeitpunkt, wo in den 50er und 60er Jahren die Literatur des 17.Jahrhs. ihre schönste Höhe erreichte, wenn auch ihre gefährlichste. Diebisherige Trennung Gryph's von diesen beiden, die Anreihung aller be-deutenden Dichter um Opitz, den jeder nur halb Selbständige um dieseZeit verließ, die Zurückstellung der Pegnitzer, die durch ihre Verbindungenseit dem Frieden die ganze Literatur beherrschten, hat bisher die ganzeDichtung des 17. Jahrhs. in falsches Licht gestellt. Wer Opitz und seineZeit den Höhepunkt der schlesischen Literatur nennt, der nennt Veldekeden der schwäbischen Poesie, und vergißt Gottfried und Wolfram. ImAndreas Gryphius ist ein Finger poetischer, als der ganze Opitz. Wiebedeutend seine Verirrungen sind, so sind es doch Verirrungcn der