Band 
Dritter Band.
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Geistliche Dichtung.

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einen Psalm, und Niemand hat dann seit Luther besser verstanden, einsolches Gedicht aufzufassen und den Gesammteindruck bei freier Behand-lung wiederzugeben. Dann erinnert er wieder ganz an die Maße, denTon, den Bau der lateinischen Kirchenlieder, die er kennt und benutzt.Auch ein halb spanisch tändelndes Lied, das sich doch nie so zum Albernenverirrt, stimmt er wohl an; dann muß man daneben halten den epischerenPassionsgesang — O Mensch beweine deine Sünd, — wo er zumUeberraschen den Ton der bibelreimenden Meistersänger annimmt, undwo er versieht, der höchst anspruchlosen Weise einen Reiz zu geben, inder er in mehr lyrischem Gange die Handlung knapp berührend erzählt.So ist wieder in Morgengebeten und Beichtliedern ein gewisser Her-betender Ton getroffen, der für die stillere Andacht passend erscheint.Seine Lieder sind nicht Gelegenheitslieder, die nur auf einen Fall passen,nicht Gemeinplätze, die auf alle Fälle sich schicken, sondern sie geben derBesonderheit den Werth der Allgemeinheit, und das ist vielleicht die be-deutendste unter all den Mitten, die er einnimmt. Man lese die Liederüber so besondre Gegenstände, wie über die Ehe oder über die Tugendender Hausfrau, wie reich sind diese Dinge an innerer Erfahrung, wieimmer gültig und werthvoll. Er zeigt hier und da die Extreme, die ervermeiden soll, aber er verfällt ihnen nicht. Hier und da ist die prosaischeBreite und Länge eines Rist wohl zu fürchten, aber es trifft nicht ein;dann wieder spielt er mit dem Kindlein Jesu, oder sehnt sich wie einKüchlein unter Christs Flügel, allein wie fern bleibt er dabei von Spee,wie nüchtern gemüthlich bleibt das Ganze der Lieder, in die höchstenseinzelne Züge dieser Art überstreifen; wie frei geht er an den bildlichenVorstellungen der Kirchenväter und Mystiker vorbei, ohne ihre Schön-heiten ängstlich zu meiden, ohne aber auch sie so abzuhetzen, wie dieübrigen. Er ist ganz ein Volksmann und Volksdichter, sorglos inElisionen, Verlängerungen, Wortverstümmlungen, im Gebrauch veralteterWörter (wie schimphiren) und veralteten Formen (wie er schrey),allein dies beleidigt Niemanden, der die deutsche Sprache geschichtlichkennt; und auf der andern Seite latinisirt er wohl einmal oder erinnertan die Manier spanischer Dichter. Viele seiner Lieder bedenken das Haus-leben; die meisten sind dem kirchlichen Gebrauche bestimmt, ohne dasEintönige zu habe», was an dieser Bestimmung so oft hing. Ihre Vor-trefflichkeit überwog manches Vorurtheil (man hatte es ihm ja verdacht,daß er seine Lieder bei einer Pfeife Tabak machte!), sie erhielten sich imVolke und bereicherten bald nach ihrer Erscheinung das bekannte Berli-ner Gesangbuch, das von Runge und Crüger besorgt ward.

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