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Dritter Band.
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Uebersicht der prosaischen Literatur.

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? empor und tritt in den Vorgrund; die Männer des Volks aber treten ihmentgegen und wollen sich in dem Vorgrund behaupten, den sie bisher innegehabt. Selbst bei dem Adelsabkömmling Moscherosch ist daher dieSatire auf den Adel äußerst heftig; ein bekannter und seiner Zeit sehri geachteter Roman, der Edelmann (1696) von Paul von Winkler, ist^ eine bloße Satire auf den unedel gewordenen Adel; in einem Traume

i des Simplicius gleich im ersten Buche liegt ein großer Nachdruck auf

dem, was über das Emporkommen und die Begünstigung des Adelsgesagt wird. Diese Anfechtungen tragen überall den Ton wie etwa imRenner die erste Volkspolemik gegen die Ritter. Wenn früherhin Reich-thum die unteren Stände emporgehoben hatte zu den höheren, so gabenjetzt die Revolutionszeiten des 30jährigen Krieges, die zwar den Waffen-adel wieder zu Ehren brachten, auch dem Manne des untern RangesGelegenheit, sich hoch emporzuschwingen. Dazu stellte sich der Adel selbstbei all seinem Rangstolz in seinen Sitten unter das gemeine Volk herab.Wie Moscherosch das Treiben der „lotterbübischen und zotigen Junkers"seiner Zeit schildert, so erkennen wir es in der Wirklichkeit in den Denk-würdigkeiten^) von Hans von Schweinichen(1532—1616). Hierhaben wir gleich einen deutschen Fürsten, der wie ein Vagabund imReiche herumzog, „ein freibeuterisches und dem Faustrecht entsprechendesLeben" führte, in den Städten herumspatzierte, öffentliche und Privat-häuser besuchte, um nach schönen Jungfern zu sehen, zu saufen, zu spielen.Schulden zu machen, herabzukommen und sich des Fürstenthums ent-setzen zu lassen. Ueberall erkennen wir hier, daß sich die Stände freimischten: der Kaiser zechte eben so gemein und vielfach mit dem Grafen,wie der Graf mit dem Weißgerber. Der Herr läßt sich vom Knechte zudessen Hochzeit mit der Näherin bitten; reiche und edle Mädchen bietensich zu Heirathen und zu schlimmerem an, so gut wie die niedrigsten.Die Verhältnisse zwischen Falstaff und Prinz Heinrich in Shakespeare'sSchauspielen waren in dessen Zeit wirkliche und vorkommende. In denspanischen Schelmenromanen, jener von Quevedo und Mendoza aufge-brachten und durch die Scarron und Lesage der Welt bekannter gewor-denen Gattung der Lebensbeschreibungen von Landstreichern und Gesinde!,ist das Auf - und Absteigen der Stände eigentlich die Seele und Idee.Da wird der Ritter zum Dieb, der Dieb zum Ritter; der Edelmann

22Z) Lieben, Lust und Leben der Deutschen des 16. Jahrhs. in den Begebenheitendes schlestschen Ritters Hang von Schweinichen, Herausgegeben von I. G. G. Büsching,Breslau 1820. Sie reichen bis 1602.

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