880 Eintritt des Kunstcharakters der nennen Zeit.
sind erneute Schilderungen des Vagantenlebers im Kriege, und imVogelneste thut es wohl, aus dem wüsten Soldatenleben einmal inbürgerliche Kreise versetzt zu werden. Auch hier verleugnet sich übrigensdaS ausgezeichnete Talent zu humoristischer Tarftellung in Grimmels-hausen nicht, der unstreitig die höchste Karte ist, die die Katholischen indem damaligen Wettspiele der Literatur auszugeben hatten.
Außer diesen eigenen Nachahmungen hat der Simplirissimusübrigens eine Menge fremder hervorgerufen. Gleich nach seiner Er-scheinung ward noch ein spanisches Hauptwerk des piearischen Schlags,Quevevo's.Kl-sn tnvaiio, aus französischer Uebelsetzung ins Deutschegebracht: der abenteuerliche Buscon. (Fr. 167k). Mit dem NamenSimplicissimus ward dann wie mit dem des Philander speculirt; balvwar er Held, bald Verfasser; es kam ein ungarischer (1683) und einfranzösischer Simplicissimus (Frcib. 168l), wo man wie in den Fort-setzungen Philanders in die Zeitgeschichte versetzt w ird; -s kam ein simpli-cianischer Hasenkopf (1683), Haspelhans (1684), Weltkukker oderabenteuerlicher Jan Rebhu (1677—8); unter diesem letzteren Autor-namen folgte eine ganze Literatur afterhumoristisckier Schriften in simpli-cianischer Art, aus deren Vergleichung man erst recht innewird, welcheine bedeutende Erscheinung Grimmelshausen in seiner Zeit war. AndereWerke giebt eS, die den piearischen Geschmack selbständiger fortsetzen.In dem güldenen Hund (1675) haben wir, wie bei den Spaniern unterden Schelmenromanen, wie im Lucian und Apulejus, verwandelteMenschen in Thiergestalt; diese Fiction war in dieser Gattung so natür-lich, weil in jener Verwandlung der Menschen Treiben am ungestörtestenzu beobachten war: Menschenkenntniß aus eigner Anschauung aberwollen eben diese Werke überall lehren. Eine ähnliche Wendung ist indem französischen Gyges (von Terpo Mirisano 1687) genommen, derwie die Besitzer des Vogelnestes bei Grimmelshausen unsichtbar unter denMenschen wandelt; es ist nur leider ein gar zu absurder Gebrauch davongemacht. Das einzige dieser Art, was noch eine Erwähnung verdient,ist der Schelmufsky (von L. 8., 1696), der der Neugier der curiösenLeser mit den Uebertreibungen eines Aventuriers zu spotten scheint, unddies in dem Ton bald des Gargantua, bald des Finkenritters, bald imStil von Handwerksburschen-Ausschneidereien. Der Held des Buchesist eine Frühgeburt, konnte schon am 5. Tage reden und ward in frühenJahren durch Ziegenmolkeu stark und genährt. Der Taugenichts ver-langte früh in die Welt, kommt in Gesellschaft eines Grafen, mit dem erherumfährt und ein Grobianisches Adelsleben voll Unflat führt. Ueberall