Band 
Dritter Band.
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Uebersicht der prosaischen Literatur.

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erzählt er aufschneidend seine groben Schwanke und macht mit der Er-zählung Glück, Alles was er thut, verursacht Maulaufsperren, seineschweinischsten Sitten nützen seiner Reputation mehr, als sie ihr schaden.Seine „Fraumuttersprache" hat er verlernt. Nachdem er den Großmogulund das gelübberte (Leber) Meer, Sirenen und Seewunder gesehenhatte, kommt er als Lump wieder nach Hause, wird von seiner Mutterausgefegt und fortgejagt, und man merkt, — daß er nur ein Paar Tagein Versoffenheit aus dem Hause und Alles erlogen war, was er erzählte.Endlich würde man zu dieser Gattung der Schelmenromane auch nochdie Studentenromane rechnen, die bei uns an der Scheide des 17. und18. Jahrhs. aufkamen und die nachher Zachariä ins komische Eposüberführend beschloß. Darunter ist der akademische Roman von Happel(1690) wohl der beste Vertreter. Abgesehen von den gelehrten Diseursendie darin eingehen, redet dieser Roman ganz in dem Stile unsererGattung und treibt sich in der Zunft der Gaudiebe und einem verwandtenWesen herum.

Wie wenig Positives die Zeit diesem Geiste der Schelmerei, derPlanlosigkeit, der Sicherheit, wie man es nannte, entgegenzusetzenhatte, sieht man an dem ernsten Romane, dem Gegensatze dieser Schelmen-romane, der damals allgeinein als eine Art Sitten- und Lehrbuch anfingbearbeitet zu werden. Wir haben uns oben so weit über die Gattungdes Romans erklärt, daß wir nirgends ausführlich auf das Materielledieses untergeordneten Zweiges eingehen würden, das in der Regel als-bald gleichgültig wird, so wie die formelle Ausbildung des Romansetwas gedeiht. Nur in seinen Berührungen mit dem verwandten Epos,d. h. nur an den Gränzen seines Entstehens und Vergehens ist er demLiterarhistoriker von Interesse; und dieses Interesse bietet uns auch jetztdiese Zeit des 17. Jahrhs. dar. Wir haben hier sehr ähnliche Er-scheinungen, wie damals im 15. Jahrh., als die Prosaromane inDeutschland Eingang fanden. So wie damals neben dem geistlichenMeistergesang die Höfe noch einmal die älteren weltlichen Stoffe hervor-snchten, so geschah es jetzt vom Adel aus neben dem blühenden lyrischenGesänge dieser Zeit: Die Stubenberg, Hohenberg, Kuesstein, Werder,Anton Ulrich von Braunschweig, waren es ja, die den Roman wieder inAufnahme brachten. Man sah ihn als eine Hof- und Adelsschule an.Damals fanden wir, daß Oesterreich und Baiern diesem Zweige sich be-sonders hingab, wo die Neigungen zur alten Literatur fortdauerten,auch'jetzt ist es auffallend genug, daß sich gerade österreichische Edle undbaierische Gelehrte, wie Albertinus, Prasch, Pernauer und Andere mit