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Dritter Band.
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Drama. Höhepunkt der schlesischen Poesie.

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zahlreichen Noten auskramt. So benutzt er denn seine Tragödien über-haupt, weit mehr als Gryphius, zu einem Schatzkästlein von Realien,Sprüchen und Witzen, Er legt wie in seinen Romanen antiquarische,geographische, historische Kuriositäten darin nieder, und stillt sie mitGelehrsamkeit statt mit Mitleid und Schrecken, wie Wernicke sagt. Allesüberschwemmt er mit Sentenzen; man müßte andächtig Zeile um Zeilelesen, um manche Schönheiten zu finden, die im Einzelnen nicht fehlen,aber man kann dem gewöhnlichenLeser nicht einmal zumuthen, die Sachennur flüchtig zu lesen. Alles ist voll von Gegensätzen und Wißreden; diekurzen Gegenreden dienen oft zu eben so vielen Epigrammen: dies Ver-standeswerk übertäubt jede Empfindung, und ganz wohl sagt Breitinger,die sterbende Cleopatra, da sie ihre Schlange anredet, errege uns Mit-leid — mit ihrem schlechten Witze. Kunststücke des Wissens und Samm-lens sind diese Trauerspiele überall; eine kalte Prosanatur schrieb sie,und wie eS immer geschieht: die Prosa, wo sie sich zur Poesie zwingt,fällt in Ueberladung. Ein falscher Firniß von angelernten, oft sehr un-geschickten Metaphern, von einem Schwall von Gleichnissen^) über-zieht die große Dürftigkeit, die im Hintergründe liegt; das Kleinegibt sich eine lächerliche Gravität; das Natürliche wird dem Ungeheuerngeopfert. Von Lohenstein kamen daher die Neukirch und und Andere eherzurück, als von Hoffmann. Bodmer spottete seiner Ereerptenpoesie^und seiner gezwungenen Gleichnisse, Breitinger widmete diesen letzteren

I47) Besonders unleidlich sind die metaphorische» Verkörperungen des Unfinnlichen,Worte wie Verleumdungsberg, der Wollust Mandelmilch, der Unschuld Giftmaul, dasLangmuthsöl, der Wirbelehrendurst u. dergl. Wenn freilich die Bodmer und Breitingermit ihrer nüchternen Denkregel an Lohcnstein's Gleichnisse gerathen, und z. B. bei demSatze „erwill der Vorsehung nicht indieSpeichen treten," fragen, wo diese die Speichenherbekommen, so muß man die Prosa eben so bestaunen, wie im Lohenstein manchmaldas Allzupoetische.

248) In einer bekannten poetischen Charakteristik der deutschen Dichter sagtBodmer von Lohenstein:

Was er nur berührt muß Mosch und Ambra werden,

er gräbt sich Erz und Stein aus einer fremden Erden;

schifft, wie sonst Günther that, auf Dielen über Meer,

und hott ein Gleichnißwort aus Missisippi her,

sucht Feuer in der See, und Wasser in den Flammen,

packt sein Ercerptenbuch in einen Reim zusammen,

sein vollgestopfter Vers ist matt und ohne Kraft,

und wo er hoch sich dünkt, da ist er schülerhaft.

Sein schwülstig Trauerspiel muß sich durch Tropen wälzen,geht auf Cothurnen nie und hinket stets auf Stelzen rc.