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Dritter Band.
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Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.

eine eigene Abhandlung, und wenn man weiß wie Lehenstein doch nochbis ins 18. Jahrh, auf die Haller, Phra n. A. wirkte, und diesen Un-fug der Gleichnisse an der Quelle kennen gelernt hat, so begreift man,warum diese Schweizer so dicke Bücher über so dünne Gegenständeschreiben mochten.

Wie Opitz seine unmittelbaren Nachfolger hatte, so hatte sie auchdiese zweite schlesische Schule. Im lyrischen erscheint Heinrich Mühl-pfort aus Breslan (1639—81) so an HofsmannSwaldau angelehnt,wie Tscherning an Opitz. In seinen erst nach seinem Tode heraus-gekommenen deutschen Gedichten (1686), die wie Tschcrning's meist Ge-legenheitssachen sind, verräth er überall italienische Schule und die sanftemilde Sprache Hoffmann's ist ihm besonders in seinen Wechselbriefensehr wohl zu treffen gelungen. — Im Drama ging unter den SchlesiernJoh. Christ. Hallmann (st 1716) den beiden Mustern treulich nachund wir können bei ihm beobachten, worauf man schon bei Lohensteinachten lernt, wie der VolkSgeschmack auf der Bühne nur kurze Zeit demgelehrten wich. Stücke wie Gryph's konnten sich auf die Lange nichthalten und nicht verbreiten. Man erhielt zwar einen Begriff von einerhöheren Bübne, wie man in Veltheim's Schauspielertruppe noch eineZeit lang etwas von diesem besseren Geschmacke gespürt haben mag,allein alles fiel bald dahin zurück, der Schaulust des Volkes zu stöhnen.Hunold fand schon Lohenstein's Stücke zu einfach, als daß sie zur Auf-führung taugen könnten, und doch scheint die Epicharis schon sehr fürden Pöbel berechnet. Hallmann^) macht zwar einen Unterschied zwischender gelehrten und der charlatanischen Bühne, allein er schrieb doch schonPastorelle und Singspiele (Adonis 1673. Urania 1667.), wo die komi-schen Figuren wieder Harlekinsspäße machen und in Volksmundartreden; er muß sich schon zur Oper hergeben, in welcher Gattung gleichder Unsinn mit Dem übertriebenen Schauwerk unzertrennlich verbundenscheint, wie denn z. B. die Catharine von England (1684) unstreitigHallmann's albernstes Stück ist. Unter seinen Trauerspielen ist dieMariamne (1670) dem Lohenstein am ähnlichsten in der hochgehendenSprache; die Märtyrin Sophie an Unfeinheiten. Hadrian buhlt darinum Sophie, es ist ganz Lohensteinisch, daß er sich auf der Bühne ent-kleidet, um sie zu entehren; wie eine Travestie aber kommt es heraus,daß er dabei wie ein Schäfer gekleidet auftritt und seufzt. Aehnlich ist'sin der Stratonice (1684), wo die Heldin auftritt mit einem Lämmchen,

249) Hallmann's Trauer-, Freuden- und Schauspiele. BreSl. 1673.