Band 
Dritter Band.
Seite
448
JPEG-Download
 

448

Eintritt des Kunsrcharakters der neueren Zeit.

Stück recht zu beurtheilen wüßten oder die in würdigen Zwecken insTheater gingen. Phantastische Ungeheuer und allegorische Personen,Dekorationen und Maschinenwerk, dies war bald das allein Reizende.Der ganze Spuck der Mysterien, Teufel, Engel, Drachen, Götter u. dgl.zog sich hierhin. Der geöffnete Himmel mit Regenbogen und Wolken-glanz, die geöffnete Hölle mit Feuerwerken, Schlachten mit Kanonen-donner, Gewitter mit Blitz und Regen, Ballette und Tänze, Blutscenenwie im Trauerspiel, Verwandlungen, Volkstrachten mit Wappenbildernu. dergl., dies war das nothwendigste Requisit der Oper. In Bostel'sMustapha erscheinen deutsche, tartarische, polnische, türkische Armeen imKostüm, und in den zwei Theilen dieser Oper waren über 50 Verände-rungen der Coulissen. In Hunold's Nebucadnezar erscheint dieser alswildes Thier mit Adlersfedern und Klauen unter vielen anderen Bestien.In einer Semiramis kamen wandelnde Rosensträuche vor, die in lieb-liche Tänzerinnen, und alte Damen, die in feuerspeiende Lanzen verwan-delt wurden. In Ludw. Orlandi's Niobe (München 1688) verwandeltsich ein Unthier in viele Kricgsleute, die Mauern um Theben erhebensich, ein Erdbeben wirft eine Menge von Gebäuden nieder. Jn Bressand'sJason erhebt sich das Schiff Argo an den Himmel, singt unter der Aus-fahrt eine Weissagung und wird oben in ein Gestirn verwandelt. Medea'sZaubergemach, ihre Geister und Phantome, und deren Tänze und Luft-flüge, wahrsagende Zigeuner, tanzende Harlekine, Zaubermahle, dasbrennende Schloß von Corinth, Medea aus einem Drachen, Götter- undGeisterkämpfe in der Lust um das Vließ, ein Pallast der Pallas in denWolken, durch die man den Thielkreis sieht, in dem das Zeichen desWidders noch unbesetzt ist und durch das Vließ besetzt wird — dies Alleshäuft sich in dem einen Stücke! Auf das Schauspiel wirkte dieser Ge-schmack höchst nachtheilig zurück; er verdrängte es eigentlich ganz, undwo doch noch Schauspiele geschrieben wurden, da wurden sie vielfachdavon angesteckt. In Königsberg war Mich. Kon gehl (Prutenio beiden Pegnitzern 1646—1710), ein Zeitgenosse, Landsmann und Freunddes Martin von Kempe^) (1637—83) und mit diesem und Anderenein Fortsetzer der Königsberger Literatur nach Dach, von den theatrali-schen Neigungen ergriffen, worin selbst Dach schon mit zwei sehr geringenStücken, CleomedcS und Sorbuiso, vorangegangen war. In Kongehl's

258) Kleodor im Schwanenorden. Seine Schriften sind viele aber unbedeutende.Die wichtigste ist der neu grünende Palmzweig der deutschen Heldensprache und Poe-terey. 1KK4.