Band 
Erster Band.
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war schon hierdurch in jeder freien Bewegung gehemmt. Rechnetman hiezu, daß der Herzog von Savoyen zum Obcrgcneral desfranzösisch-spanischen Heeres ernannt war, und Graf Tcssinfortwährenden Ränken gegen Catinat intriguirtc, so läßt sich derungünstige Ausgang dieses Feldzugs für die Franzosen leicht erklären,selbst wenn der unfähige Villeroi nicht noch später zur Ver-mehrung der Uneinigkeit hinzugekommen wäre.

Vom 6. bis 9. Juni sammelte sich das kaiserliche Heer in derUmgegend von Verona. Prinz Eugen recognoscirte die stark an-geschwollene Etsch bis unterhalb Legnago, und bemächtigte sich derFähre von S. Pangrazio. Durch eingebrachte Gefangene erfuhrer die Stellung des feindlichen Heeres; aus dem Montebaldo beiFerrara und Rivoli standen 9 Bataillone, bei Bussolcngo eben soviele; bei Sän Giacomo, nächst Verona 5 Bataillone; bei Zevioein starkes Reitercorps; andere Rcitercorps bei Jsola - Porcharizza,Rivcr-Chiara und Legnago. Catinat stand demnach mit seinemHeere auf einer Strecke von 40 Miglien auseinander. Eugenhatte den ersten Theil seiner Aufgabe erreicht; er war, ohne aufWiderstand zu stoßen, aus dem Gebirge in die Ebene des linkenEtschnfers herabgcrückt. Catinat, von dem Glauben geleitet,der kaiserliche Feldherr werde, gleich ihm, das neutrale Gebiet derRepublik Venedig respectiren, war von Eugen über seine wahreMarschrichtung getäuscht worden. Eugen zeigte sich hier seinemGegner in dreifacher Beziehung überlegen: 1) daß er den Gedankendes mühsamen Zuges über das Gebirge, das vor ihm noch vonkeinem Soldaten betreten worden war, faßte; 2) daß er diesenbeschwerlichen Zug durch höchst zweckmäßige und kraftvolle Anstaltenin so kurzer Zeit ausführte; 3) endlich daß er sich um die Protc-station der Republik Venedig, wegen verletzter Neutralität, nichtkümmerte. Dieser letzte Punkt war eine nothwendige Folge seinesin Nr. 1. erwähnten Entschlusses. Denn nur auf diesem Wegewar es möglich, ohne Verlust und Aufenthalt aus den Thälernder tridcntinischcn Alpen in die Ebene zu gelangen. Wer bei ähn-lichen Operationen den Zweck will, darf auch die Mittel nichtscheuen. Wenn es sich um große Operationen handelt, wird dieNeutralität untergeordneter Staaten nie als ein Hinderniß betrachtetwerden. Aehnliche Beispiele weist die Geschichte in Menge nach.