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Erster Band.
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Die preußischen Ostprovinzen und ihre Weltstellung. 119

es dort 1180 solcher Schulen. Die dadurch beginnende Blüte wurde im Siebenjäh-rigen Kriege schon wieder hart bedrängt. Als die Russen im September 1757 un-erwartet Preußen, dessen Grenzen sie im Juni erst überschritten, verließen, bezeich-neten sie ihren Rückzug durch Raub und Feuer, Mord und Plünderung. Diegedeihliche Periode, die dann wieder anbrach, ward auch durch die abermalige russischeInvasion (57—1762), bei milder Behandlung des vermeintlich für immer erwor-benen Landes, nicht unterbrochen und erreichte bis gegen 1806 ihren Höhepunkt.

Der für die preußischen Grundbesitzer glänzenden Periode von 1790 —1806,wegen der hohen Kornpreise bei starkem Absähe, folgten ungünstige Zeiten. Dieeinige Zeit nach dem Siebenjährigen Kriege in Ost- und Westpreußen errichtetenCreditinstitute brachten viele Künstelei in die Grundverhältnisse; die Güter des Adelswurden Sache der Speculation. Bei der Katastrophe von 1806 stürzte das künst-liche Gebäude, welches Moratorien und Hülssgelder nicht halten konnten, wie einKartenhaus zusammen. Der Krieg von 1807 heischte Opfer, welche allein für Ost-preußen und Lithauen amtlich zu 65,659591 Thaler angeschlagen wurden; im Jahre1812 wurden an die durchziehenden Franzosen abermals große Summen verloren,und ebensolche nahmen die Leistungen von 1815 und 1811 in Anspruch. In dieserachtjährigen Periode hatte Lithauens Bevölkerung um mehr als 10000 Menschendurch Verarmung und Krankheit abgenommen. Die bald hernach eintretende Ent-werthung des Getreides suchte das hauptsächlich von Fruchterzeugung lebende Landfurchtbar heim; in Lithauen kam es vor, daß der Scheffel Hafer nicht für fünf Sgr.zu verkaufen war, daß zwei Scheffel Roggen für ein Paar Bauernschuhe gegebenwerden mußten. Die Gesetze über Regelung und Ablösung der bäuerlichen Ver-hältnisse, über den erleichterten Besitz und Erwerb des Grundeigenthums, welchevielleicht in andern Zeiten den zerrütteten Grundbesitzer wieder gehoben hätten, danndie Durchführung der Gemeinheitstheilungen und Ablösungen unter unerschwinglichenKosten beschleunigten jetzt nur einen beklagenswerthen Umschwung des Besitzwechsels.Dieser ist besonders in den Provinzen Preußen, Posen und Schlesien auffallend großgewesen, wo sich zugleich die Grenzsperre fühlbar macht; in den drei Jahren 1829— 52 ist im Oberlandesgerichtsbezirke Königsberg eine Besitzveränderung mit 256Rittergütern vorgegangen, wovon nur 91 aus freien Stücken, 111 durch Subhasta-tion veräußert wurden. Beim Oberlandesgericht Münster sind dagegen, „so lange esbesteht, vielleicht nicht 20 Verkäufe von Rittergütern vorgekommen. Auch Überschwem-mungen suchten manche Strecken der Provinzen heim. Nach den Nothjahren von1825 — 27 kamen im Winter von 1828 — 29 die Überschwemmungen der Memel-mündungen, die sich seitdem wiederholt haben, und durch welche der Wohlstand um-fassender Bezirke auf lange Zeit zerstört worden ist.

Indessen litten auch andere Länder unter schlimmen Conjuncturen und hobensich doch auch wieder empor. Während der fünfzehnjährigen Blütezeit (bis 1806) fürdie Ostprovinzen erfuhren Westdeutschland und Holland die härtesten Drangsale, auchlitten sie die sieben folgenden Jahre bis 1815 kaum weniger als Preußen. Und siehaben das viel anhaltendere Unglück verschmerzt, weil sie sonst eben in natürlichernVerhältnissen lebten! Zudem kehrten auch nach 1806 hohe Kornpreise wieder. Von1790 —1806 stieg der Preis einer Last Weizen nie auf 200 Thaler; im Durch-schnitt der 16 Jahre kostete sie 127 Thlr., die Last Roggen 81'/. Thlr. Im Jahre1807 stieg Weizen auf mehr als das Doppelte, Roggen auf beinahe das Dreifachejenes Durchschnittspreises (2717- und 210 Thlr.), die höchsten Preise seit 1700,welche selbst im Theuerungsjahre 1817 nicht wiederkehrten. Seit diesem Jahre fie-len die Preise bei reicher Ernte unausgesetzt, bis sie 1825 den niedrigsten Standvon 1750 bis heute (das Jahr 1779 in einigen Arten ausgenommen), also inner-halb eines Jahrhunderts, erreichten. Von da trat im Allgemeinen wieder ein Stei-gen der Preise ein. Selbst abgesehen von den hohen Preisen der Jahre 1807—19,war der mittlere Preis der 11 Jahre von 1828—38: die Last Weizen 132 Thlr.,die Last Roggen 67 Thlr., und später stieg er noch bedeutend. Bei den höherrr