Band 
Erster Band.
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Die preußischen Ostprovinzen und ihre WelLstellung. 129

neuerte Preußen zwar seine Neclamationen durch einen eigens nach Kopenhagen ge-sandten Unterhändler, der von neuem eine Ablösungssumme anbieten und zugleichdie verbrieften Ansprüche einiger Ostseehafen auf völlige Sundzollfreiheit geltend ma-chen mußte. Allein der preußische Bevollmächtigte fand in Kopenhagen die entschie-denste Abneigung, auch nur in die billigsten Anträge einzugehen; man suchte ihnvielmehr durch die lang geübte Sophistik abzufertigen. Zuletzt stellte Dänemark al-lerdings Bedingungen, die aber von solcher Beschaffenheit waren, daß sie die Zurück-berufung des preußischen Bevollmächtigten zur Folge hatten. Aus den fruchtlosenVerhandlungen wurde von neuem klar, daß Dänemark in dieser Angelegenheit, wiein der schleswig-holstcinischen, nicht den Federungen einer aufgeklärten, voraussichti-gen Politik, sondern nur der zwingenden Kraft äußerer Umstände nachzugeben ge-neigt sei.

Auch Schweden leidet schwer unter der Bedrückung des Ostseehandels durchden Sundzoll, obschon dasselbe für die sichere Befahrung der Ostsee dieselben Opferwie Dänemark bringt, für seine Unterhaltung der Leuchtfeuer und Baaken (denndas Fahrwasser durch den Sund ist gar nicht an der dänischen, sondern an derschwedischen Küste) aber nur die geringe Entschädigung von 3300 Thlrn. jährlicherhält. König Oskar faßte daher längst den Plan, einen Kanal von Helsingborgnach Landskrona zu ziehen, auf dem die Schiffe mit unverhältnißmäßig geringenKosten von einem Meere in das andere gelangen konnten: der Kanalzoll sollte nurein Achtel des Sundzolls betragen. Unterhandlungen darüber wurden in Berlinangeknüpft. Indessen eröffnet sich nun mit der Selbständigkeit Schleswig-Holsteinsund der Einverleibung Schleswigs in den Deutschen Bund eine andere Gelegenheit,Dänemark zum Nachgeben zu zwingen: nämlich durch die Erweiterung und Freige-bung des die Nord- und Ostsee verbindenden Eiderkanals, welche Deutschland jetztmit dem Opfer weniger Millionen durchführen kann. Hierdurch erhalten wir zugleicheine die Interessen des deutschen Lebens vielfach verknüpfende Verbindungsstraße vonunermeßlichem Werthe in eigenen Besitz und die befestigten Schlüssel zu beiden Mee-ren, die für die ganze maritime Stellung Deutschlands von der höchsten Bedeutungsind, wenn erst eine deutsche Kriegsmarine im Stande ist, unserer Flagge Schutzund unsern Unterhandlungen Nachdruck zu geben. Der glückstädter Hafen ist vonNatur bestimmt, das Rastatt des helgolander Strasburgs in der Nordsee zu wer-den; der kieler Hafen ist der beste der deutschen Ostseeküste, und Rendsburg alsHauptfestung Schleswig-Holsteins ein fester Mittelpunkt für beide.*) Mit demstensburger Hasen erhält Deutschland einen zweiten Kriegs- und Handelshafen erstenRanges an der Ostsee, und alle jene Häfen sind durch ein Eisenbahnnetz verbunden.Nur durch die vereinigten Herzogthümer Schleswig-Holstein kann Deutschland alleinHerr seiner beiden Meere sein, und eben deshalb, ja nur deshalb hat sich der rus-sische Einfluß immer mit dem englischen verbunden, um die Verhandlungen überden Sundzoll zu durchbrechen, weil für Deutschland diese Freiheit ein mächtigerSchritt in die größere Zukunft sein würde. Rußland und England verfuhren hierstets mit einer in der alten Diplomat!! fast unbekannten Rücksichtslosigkeit gegenunsere Ostseeinteressen. Diese beiden Mächte, deren Politik sonst überall, in derTürkei und in Griechenland, in Persien und im Kaukasus, auseinandergeht, reichtensich hier die Hand, nur um uns Deutsche in Fesseln zu halten und unsern Ostsee-handel nicht aufkommen zu lassen. Obgleich auch sie durch den Sundzoll leiden,trösteten sie sich über das Opfer und unterstützten unter der Hand sogar alle däni-schen Übergriffe, damit der Deutsche Zollverein nur nicht an den Best vorwärtsschreite. Deutschland aber wird und muß sich jetzt zur rechten Zeit erinnern, daßhier der Punkt ist, wo einer der Ecksteine zu seiner zukünftigen Seegröße und Welt-

flchten^dcr Bert^eid^ung ^ Eidcrkanal find befestigt, obwol fie zu eng sind aus Rück-Die Gegenwart. I. 9