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Erster Band.
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Das volkstümliche Heerwesen.

Bewußtsein in sich, daß ihm selbst im Frieden die Bahn der Ehren nicht verschlossenist, wenn er die erfoderlichen Fähigkeiten besitzt. Ausgezeichnete praktische und mo-ralische Tüchtigkeit befähigt allein schon zu Subalternofsizierstellen. Obwol nun diekrankhaften Erscheinungen, die unnatürlichen Auswüchse des Kriegerlebens, welchenicht ausbleiben können, wenn dieses gewaltsam von seinem eigentlichen Lebensboden,von der Nation losgelöst wird, auch in Frankreich sichtbar zu Tage treten, obwo!die Trennung der Nation in zwei feindliche Hälften auch in Frankreich empfindlichverspürt wird: so ist doch nicht zu verkennen, daß das französische Heerwesen, ver-möge des nationalen Charakters überhaupt, und vermöge seiner eigenthümlichen Ent-Wickelung seit der ersten Französischen Revolution um Vieles volksthümlicher gewor-den, und somit eine viel nachhaltigere Kraft zu entwickeln im Stande ist als dasdeutsche. Aus diesem Grunde sind denn auch die Wünsche des französischen Volkesnach einer zeitgemäßen Wehrverfassung bisher beiweitem nicht in dem Maße regegeworden wie in Deutschland.

Diese Ansicht vom französischen Heerwesen ist selbst bei uns ziemlich allgemeinverbreitet, ja sie hat, eine Erscheinung, die wohl zu berücksichtigen ist, zum Theilselbst in den deutschen Heeren Wurzel gefaßt. Nicht gleiche Achtung zollt man in-dessen in Deutschland dem russischen Heerwesen. Man gefällt sich bei mrs, wasRußlands Militärmacht betrifft, in Vorurtheilen, die theils ihren Ursprung in denletzten Kriegen, theils in der wirklichen Schwierigkeit haben, die dortigen Militair-zustände einer genauen Prüfung zu unterwerfen. Wenn man jedoch die Beschaffen-heit und den Geist des russischen Militairwesens, sein Verhältniß zur Nation, ganzunbefangen betrachtet, so wird man wol anerkennen müssen, daß ein solches Heer,wie das gegenwärtige russische, eine nicht minder beachtenswerthc, eigenthümlicheinnere Stärke besitzt, wie das französische, und daß es, ebenso wenig wie dieses, einenKampf mit den deutschen Heeren in ihrer gegenwärtigen Verfassung zu fürchten habe.Bei Betrachtung des russischen Heeres ist zu unterscheiden das eigentliche Linienmi-litair und die Kosacken. Unter Linienmilitair verstehen wir alle jene Waffengattun-gen, welche den gegenwärtig herrschenden kriegswiffenschaftlichen Begriffen gemäßals zum Kriegführen nothwendig erkannt und in allen europäischen Armeen für denKamps im freien Feld herangezogen werden. Also Linieninfanterie, Schützen, Jäger,Dragoner, Kürassiere, Lanzenreiter, leichte Reiter (Husaren), schwere und leichteArtillerie. Die Kosacken hingegen sind eine Rußland ausschließlich angehörendeTruppengattung, mit volksthümlicher Bewaffnung und Kampsweise, in welchen diegroßartigen Anfänge einer zukünftigen allgemeinen russischen Volksbewaffnung liegen.

Das russische Linienmilitair.

Das gegenwärtige russische Linienmilitair entstand nicht, wie in den übrigeneuropäischen Staaten, auf dem Wege einer allmäligen Entwickelung. Es entsprangaus der Nachahmung des fremden, vorzugsweise des preußischen Heerwesens in denZeiten Friedrich Wilhelm's I. und Friedrichs des Großen. Ohne innern Entwicke-kungsdrang, wie der russische Volksgeist noch immer ist, bewahrte daher auch dasrussische Heer jene strengste militairischc Zucht, Regelmäßigkeit und Ordnung, die zurZeit Friedrich's des Großen fast allenthalben in Europa herrschten. Die russischeDressur trägt noch so vollständig jenen maschinenmäßigen Charakter, daß man sicheinen lebendigen Begriff von den Aopfsoldaten des vorigen Jahrhunderts machen könnte,wenn man den mit unbegreiflicher Genauigkeit abgerichteten russischen Soldaten indie Uniform einkleidete, wie sie zur Zeit Friedrich's üblich war. Wollte man aufden Grund dieser Erscheinung hin die Behauptung aufstellen, daß das russische Heerim Kampfe mit Armeen, welche, wie die deutschen, den Federungen der Zeit etwasmehr nachgegeben haben, ebenso unfehlbar den Kürzern ziehen müßte, wie einst diealten preußischen Zopfheere den Revolutionsheeren gegenüber, so würde man sehr irren.

Verbindung mit andern Besonderheiten liegt gerade hierin eine der starken Sei-ten des russischen Heeres, und man kann nicht umhin, der tiefen Einsicht des Zars,