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Erster Band.
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147
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Das volkstümliche Heerwesen. 147

Die allgemeine Wehrpflicht kann also mir in Sachen der Nation statuirt werden.Für diejenigen Zwecke der Staatsgewalt, die zunächst in keiner Berührung mit dernationalen Selbständigkeit stehen, gewährt ihr die Nation die Mittel, um sich Kräftezu kaufen. Mit diesen Mitteln verpflichtet die Staatsgewalt freiwillig sich stellendeWehrmänner des Volks durch besondern Vertrag, indem sie ihnen einen bestimm-ten Sold verspricht, wenn sie ihr in gewisser Weise und auf bestimmte Dauer ihrekriegerischen Dienste verpfänden. Ein stehendes Heer kann somit nach zeitgemäßenFederungen nur aus freiwilligen Soldaten (Söldnern) bestehen, welche für sich dasSoldatenhandwerk zum Geschäft machen. Diese Zunft mag in ihrem Innern, gleichjeder andern Zunft, ihre Besonderheiten ausbilden wie sie nur will: das kümmert dieNation nichts. In einem solchen Heere würden alle jene Männer, welche das Sol-datenhandwerk um seiner selbst willen lieben und treiben, die für den Soldatenstandin dem poetischen Sinne des Landsknechtswesens und der Verse des Schiller'scheuKürassiers begeistert sind, ihren wahren Wirkungskreis finden. Dieser Wirkungs-kreis würde für sie viel entsprechender sein, als er sich ihnen in den gegenwärtigenZwitterheeren aufthut, wo sie in einem steten widerwärtigen Zwiespalt mit den zeit-gemäßen Federungen der Nation leben müssen, mit Federungen, zu welchen die Na-tion um so mehr berechtigt ist, da ihr eigenstes Blut in den Adern der stehenden Heerefließt. Auch ist es eine vergebliche Hoffnung, wenn diese Männer des Handwerksglauben, daß jener Zwiespalt unter solchen Zuständen, wie die gegenwärtigen sind,je einmal aufhören werde. Im Gegentheil, je mehr man die Nationen wird zwin-gen wollen, ihr Blut den Staatsgewalten zu verpfänden, um so schärfer wird dieserWiderspruch zu Tage treten, um so unlustiger wird das Dasein jener Soldaten sichgestalten. Es läge daher im eigenen wohlverstandenen Interesse der soldatischen Ver-fechter der stehenden Heere, wenn der Gedanke der Soldhcere zur Ausführung käme,und es ist nur zu verwundern, daß es noch Keinem derselben eingefallen ist, diesenGedanken energisch zur Sprache zu bringen und seine Vorzüge vor der gegenwärtigenEinrichtung darzuthun. Während die jetzigen deutschen Heere zum großem Theilaus Menschen zusammengesetzt sind, welche die ihnen auferlegte Pflicht mit Wider-willen erfüllen, die nicht aus eigener Lust, sondern gezwungen das Waffenhandwerkerlernen, die jede Stunde, jeden Tag zählen, der sie ihrer Heimat wieder zurück-gibt — lauter Eigenschaften von sehr zweifelhaftem Erfolg: so besäße man dann ausder einen Seite ein Heer von eigentlichen Soldaten, die freiwillig, aus angeborenerWaffenlust zur Fahne eilen, die nichts Anziehenderes kennen als Krieg, mit einemWorte ein Heer, auf welches man sich in allen Stücken verlassen könnte. Ein sol-ches stehendes Heer erfüllte Das im vollen Sinne, was die Begriffe unserer Staats-männer und Militairhirarchen in Rücksicht der Verwendung und der Disciplin vonden stehenden Heeren verlangen; es wäre in Wahrheit ein Werkzeug in den Händender Staatsgewalt, ein viel besseres und folgsameres als es unsere unfreiwilligen Con-scriptionsheere sind. Desgleichen wäre die Behauptung der Militairhicrarchen, daßdie stehenden Heere schon darum beibehalten werden müßten, weil sie als Versor-gungsanstalten Unbemittelter (Stellvertretung, Unteroffiziercorps) große Dienste leisten,nicht mehr geltend zu machen, denn gerade das reine Söldnerwesen würde diesemAnsprüche am vollkommensten genügen. Andererseits aber erhielte man dann auch

kämpfen, so müßte es mit dem Principe, aus dem es hervorgegangen, in Widerspruch gera-then: es müßte zur Beeinträchtigung und Unterjochung des allgemeinen Willens und des Ra-tional,ntereffes beitragen. Die Regierung soll demnach im innern Parteikampfe und bei Durch-führung reiner Eroberungspläne nach außen nur berechtigt sein, die freiwillige Unterstützungdes Volks anzurufen, und jenachdem das Volk auf ihre Seite tritt, soll sie stehen oder fallen.Der Gedanke ist unsers Wissens in Deutschland zuerst klar und offen vom Verfasser ausge-lprochen worden und dürfte gewiß unter den jetzigen Verhältnissen zu weiterer Erörterungkommen. Für die Gestaltung unserer politischen Zustände muß der Ausgang dieser Debattevon unermeßlichen Folgen sein. D. Red,

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