Band 
Erster Band.
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Das volkstümliche Heerwesen.

Rundreisen u. s. w. Die Bezirksstädte eignen sich am besten zu der Einverleibungjener Zweige des Heerwesens, welche die meiste Kunstfertigkeit und Übung erfodern.Denn in solchen Städten befindet sich nicht allein die größte Anzahl Derjenigen, wel-chen ihre Lebensstellung freie Zeit gewährt, sondern die Künste und Handwerke habenauch hier einen großem Schwung und ernähren eine große Anzahl kunstfertiger,praktisch geübter Leute. Es wäre daher in diesen Städten der größere Theil derBezirksartillerie, des Brückencorps und des Feldverschanzungscorps zu vereinigen.Wie sich wol von selbst versteht, so müssen für das Brückencorps in Beziehung aufdie Uferbewohner großer Flüsse gewisse Modificationen dieser Bestimmungen eintreten.-Auf ähnliche Weise sind die kleinern Städte, welche die Mittelpunkte der Amts-bezirke bilden, bewaffnet. Nur werden diese großentheils Glieder des Volksschützen-heeres enthalten. Ebenso die kleinern Orte, Dörfer und Flecken.

Wie eben angedeutet wurde, so muß jede Gemeinde, ganz an die Landesein-theilung sich anschließend, einen gewissen Theil der taktischen Gliederung des Volks-heeres aufnehmen. Eine gewisse Anzahl solcher kleinerer und größerer Gemeinden bil-det zusammen den nächst größer« Heerkörper. So z. B. bilden in Bezug auf dieVolksschützencorps Flecken und Dörfer halbe Züge, je nach der Größe zwei oder mehrDörfer eine Compagnie, eine größere Anzahl Dörfer ein Bataillon, dessen Mittel-punkt eine kleinere Stadt ausmacht u. s. w. Diese Eintheilung muß sich auf sämmt-liche drei Aufgebote des Landes beziehen. Hierbei müssen aber folgende Gesichts-punkte ins Auge gefaßt werden, welche die Einfachheit und Klarheit der Sache zubefördern geeignet sind. Das zweite Aufgebot darf nämlich für den Krieg nicht inselbständig wirkende Heerkörper eingetheilt sein, sondern es muß als Ersatz für dieVerluste des selbständig organisirten ersten Aufgebots betrachtet werden. Es werdendaher fürs zweite Aufgebot nur solche Führer bestellt, welche aus der freien Wahl derWehrmänner hervorgehen, also die niedern Führer, und zwar mit Einschluß der Haupt-männer. Im Übrigen steht dasselbe unter denselben höher« Behörden wie das ersteAufgebot. Bei Benutzung des zweiten Aufgebots zu größern Heeresübungen oderim Felde wird seine Mannschaft den betreffenden Heeresabtheilungen des ersten Auf-gebots eingereiht. Die Führer des zweiten Aufgebots bilden bei der Vereinigung derbeiden Aufgebote im Felde u. s. w. augenblicklichen Ersatz für den Verlust von Füh-rern des ersten Aufgebots. Das dritte Aufgebot endlich, welches den Herd zu ver-theidigen berufen ist, wird für jede Stadt, für jede Gemeinde selbständig organisirt,und es kann, unbeschadet einer tüchtigen Führung, alle seine Anführer durch freieWahl besetzen, da es nur für den Fall einer Vertheidigung des Wohnortes in Wirk-samkeit tritt und ein solcher Ort, wenn derselbe eine taktische oder strategische Bedeu-tung gewinnt, ja jedenfalls doch noch mit andern Streitkräften besetzt und andernkriegsgcübten Führern unterstellt wird. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen undbei dem dringenden Bedürfniß einer möglich schnellen Verwirklichung der Volksbewaff-nung dürfte indessen der von anderer Seite gemachte Vorschlag einer durchaus freienWahl der Anführer nicht zweckmäßig erscheinen. Soll die zu begründende Volks-wchr die nothwendige innere Kraft besitzen, so kann jetzt wol nur bei den niedernFührern, mit Einschluß der Hauptleute, von freier Wahl die Rede sein, sodaß alsoauch nicht gerade in den Wissenszweigen der Bewaffnung geprüfte Männer in dieseStellen gelangen. Alle höher« Führer und solche Stellen, welche mit diesen innaher Berührung stehen (Generalstab u. dergl.), muß jetzt die Staatsbehörde besetzen,und zwar mit den fähigsten Männern aus der Zahl der vom Staate geprüften Haupt-leute der Volkswehr, unter welchen natürlich vorerst noch die aus dem stehendenHeere in die Volkswehr übergetretenen Offiziere zu verstehen sind. Erst dann, wennsich einmal das BewaffNungswesen wahrhaft volksthümlich gestaltet hat, wenn das-selbe in der That zum Eigenthum des Volkes geworden, wird die durchweg freieWahl der Führer praktische Zweckmäßigkeit und Bedeutung gewinnen.