Band 
Erster Band.
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Das volkstümliche Heerwesen.

Die Bewaffnung.

Überhaupt wird eine solche Organisation, wie sie eben flüchtig gezeichnet wor-den, erst ihre volle Kraft beweisen, nachdem sie in Fleisch und Blut des Volkesübergegangen, nachdem das Volk von dem Geiste des Wehrwesens so durchdrungenist, wie etwa gegenwärtig von dem Wesen der Gemeindeordnungen oder andernvolksthümlichen Institutionen. Bis jetzt lernte der Bürger, der zu den Waffen geru-fen wurde, das Waffenhandwerk nur, weil er mußte. Alles, was mit dem Waffcn-wesen in Verbindung stand, insbesondere die Detailvorschriften desselben, trugen fürihn den Charakter des Zwanges. Mit Widerwillen lernte er das Handwerk undwar froh, wenn er es vergessen durfte. Das Svldatenwesen konnte dem deutschenVolke trotz aller Bemühungen durch die Conscription nicht eingeimpft werden: esstand dem Volke stets fremd gegenüber, sowie eine vornehme, frivole Ergötzlichkeitfür das Volk keinen Sinn hat. Ganz anders wird sich dies gestalten, ganz andereErgebnisse werden wir erhalten, wenn erst vernünftige, echt volksthümliche Einrich-tungen und die Gewalt der Zeitverhältnisse das Waffenwerk beim Volke zu einemzweiten Selbst gemacht haben, wenn das Volk die Bedeutung des Waffenführensdurch den Krieg und durch langjährige Gewohnheit recht erfaßt haben wird, wennes endlich soweit gekommen ist, daß schon der Knabe seine kleine Flinte mit Sicher-heit zu führen und sicher nach der Scheibe zu zielen versteht. Dahin aber werdenwir gelangen, wenn wir den jetzt in Deutschland freilich kaum betretenen Weg weiterverfolgen und die Entwickelung nicht verzögern durch unzeitiges Hindern oder in fal-sche Bahnen leiten. Nach den Erfahrungen und Vergleichungen, die bis jetzt, inBeginn der ersten Verwirklichung der neuen Ideen über die Volksbewaffnung,gemacht werden konnten, sind es vornehmlich zwei Punkte, die das Vorschreiten unddas kräftige Gedeihen der Sache hindern. Einestheils fehlt es überall an Führern,welche die hinreichenden Kenntnisse und den rechten Begriff eines volksthümlichenWehrwesens besitzen. Der Mangel an hinreichenden Kenntnissen ist dabei höher an-zuschlagen als der Mangel an volksmäßigcr Anschauungsweise. Denn, wäre nurdie erste Foderung, die Wahl kenntnisreich er Führer erfüllt, so würde sich auch diezweite Foderung in wenigen Wochen, vermöge des unabweisbaren Einflusses, dendas innige Zusammenleben mit bürgerlichen Elementen äußert, an denselben erfüllen.Es ist zu verwundern, daß in so kurzer Zeit, ohne eine durchgreifende Unterstützungvon Seiten der Regierungen, durch Zuertheilung von Offizieren und Unteroffizierenschon so viel geschehen konnte, wie z. B. in Baden geschehen ist. Was könnte denvnach bei einem solchen energischen Streben des Volkes geschehen, wenn man einenbedeutenden Theil des stehenden Heeres als Rahmen der Bürgerwehr zur Gründungeiner kräftigen Volkswehr benutzte! Ein anderes Hinderniß bildete die Masse der vie-len unnützen, unpraktischen taktischen Vorschriften der stehenden Heere, der Wust vonleeren systematischen Spielereien, welche bisher auch die Bürgerwehr, sie mochtewollen oder nicht, in sich aufnehmen mußte, weil nun einmal nichts Anderes vor-handen war. Sehnlich muß man darum wünschen, daß von Seiten des deutschenParlaments eine kräftige Anregung in dieser Beziehung geschehen möge, daß eineCommission von aufgeklärten, volksthümlichen Offizieren aus allen deutschen Staatenniedergesetzt werden möge, um unsere taktischen und allgemeinen dienstlichen Vor-schriften von der Menge unnützer Spielereien, von allem zopfmäßigen Formenwcsenzu reinigen, oder vielmehr: um ein möglich einfaches, klares deutsches Wehrgesetz,ein umfassendes Wehrgesetz, welches aber schnurgerade auf den wahren Zweck derBewaffnung losgeht, zu entwerfen.

Nur in wenigen Andeutungen soll hier auf die Hauptpunkte einer zweckmäßigenVolksbewaffnung aufmerksam gemacht werden. Alle unnöthigen, zunftmäßigen Sol-datenspielereien, die dem einfachen Sinne des Volkes widersprechen, müssen entferntbleiben; besonders hat man allen zwecklosen, nur Kosten verursachenden Prunk inKleidung und Bewaffnung zu vermeiden. Die Kleidung sei einfach und zweckmäßig.Die Kopfbedeckung, gleichviel welche Form sie besitze, sei leicht. Wenn der Znsan-