Das volkstümliche Heerwesen.
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terist seine Waffe zu gebrauchen versteht, so bedarf er keines Kopfschutzes. Die übrigeKleidung sei bequem: leichter Rock (Waffenrock) nebst Kapuzenüberwurf, weite Bein-kleider und Halbstiesel, welche so eingerichtet sind, daß sie auf den Knöcheln vermit-tels zweier weicher übereinandergeschlagener Lederstreifen, an deren Enden sich schmaleRiemen befinden, zugebunden werden können. Das Gepäck und somit auch der Tor-nister seien möglichst klein und.leicht. Es trägt nichts so sehr zur Entmuthigungeiner Truppe und zur Verhinderung rascher Unternehmungen bei als ein schweresGepäck. Bei dem Gepäck, welches besonders das süddeutsche Militair gegenwärtig nochschleppen muß, sind selbst die kräftigsten Männer nach einem dreistündigen Marschein schwüler Sommerhitze schon so erschöpft, daß sie ein gewöhnliches Gefecht kräftigdurchzuführen nicht mehr im Stande sind. Diese unverständige Sorgsamkeit für dasWohl der Truppen hat stets zum Gegentheil, zur größten Unbehaglichkeit geführt.Wir haben bei Bekleidung der Wehrmänner jetzt nicht mehr jene Rücksichten zunehmen, die wir noch vor 20, 30 Jahren nehmen mußten. Eine vernünf-tigere Erziehung, das allgemein verbreitete Streben nach Kräftigung der Jugenddurch Leibesübungen, durch eine freiere Bewegung von Kindheit auf, hat jetzt schonein neues kräftiges Geschlecht heranwachsen lassen, das eine große Fähigkeit im Kampfemit den Einflüssen der Witterung besitzt. Warum sollte dies bei der immer mehrfortschreitenden Lebensentwickelung, bei dieser allgemeinen Richtung zur naturgemäßenFreiheit in wenigen Jahren nicht in noch viel höherm Grade der Fall sein? Wennwir auch nicht mehr zu jener Körperkraft und Widerstandsfähigkeit zurückkeh-ren, welche unsere Ahnen noch vor 300 Jahren besaßen, obschon deren Wieder-erlangung keineswegs außer der physischen Möglichkeit liegt, so werden wir dochwenigstens dazu kommen, mit einem dem vorgeschlagenen ähnlichen Anzüge, derbei geringem Verrathe von reiner Wäsche sogar Kleiderwcchsel in nasser Witterungerlaubt, einen Feldzug auszudauern, ohne den Rheumatismen und dergleichen Wit-terungskrankheiten zu verfallen. Die deutschen Landsknechte des 16. Jahrhun-derts zogen bei jeder Jahreszeit, ja sogar mitten im Winker über die Alpen; siezogen bei den unaufhörlichsten Regengüssen durch die Apenninen, stürmten Rom —und hatten nichts auf dem Körper als ein doppeltes Wamms, unterlegte Beinkleiderund ein lustiges Baret. In Rücksicht der eigentlichen Bewaffnung aber sind es dieFeuerwaffen, auf die Alles ankommt. Vorzügliche Feuerwaffen! in diesenWorten liegt die wesentliche Bedingung einer kräftigen Volkswehr. Hieran knüpfensich in natürlicher Weise die Federungen in Bezug auf die Ausbildung des Schützen-wesens, es knüpft sich alles Das daran, was für die Gcsechtweise einer echten Volks-wehr zu berücksichtigen ist. Jedes Banner, oder Bataillon, habe außer den vierCompagnien für die geschlossene Ordnung (welches die zweckmäßigste taktische Glie-derung eines Banners ist) noch eine fünfte Compagnie, eine Schützencompagnie, diean Mannschaft ungefähr den vierten bis dritten Theil der Gesammtzahl der Mann-schaft aller fünf Compagnien enthalten muß. Die Schützencompagnien können zurHälfte mit leichten Büchsen und Haubayonneten, zur Hälfte mit vorzüglich construir-ten Bayonnetflinten bewaffnet sein. Bei der Anfertigung der Bayonnetflinten istein Hauptaugenmerk auf die Schästung zu nehmen. Aus alter Gewohnheit undwegen der allzu ängstlichen Rücksicht auf die Stärke des Schaftes wird der Kolbensowie der Kolbenhals immer noch zu gerade und zu kurz geschnitten, was, außerder Unbequemlichkeit beim Anschlag, in Folge des meist sehr großen Kalibers unserersogenannten Commißgewehre einen so empfindlichen Rückstoß verursacht, daß die vor-züglichsten Gewehrläufe einen großen Theil ihrer Trefffähigkeit verlieren. Wol wäredarum die Einführung einer Form der Schästung sehr zweckmäßig, welche der Schäf-tung der Jagdgewehre und der leichten Schcibenbüchsen am nächsten käme. DieKosten, welche die Anwendung eines bessern Holzes verursacht, sind kaum anzuschla-gen gegen die großen Vortheile, welche man sich dadurch erwirbt. Mit einer aufsolche Art bewaffneten Schützenabtheilung wird man ganz besonders vermögen, die-jenige Fechtart durchzuführen, welche seit der Französischen Revolution die unserer