Band 
Erster Band.
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157
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Die geographisch-politische Weltlage Italiens. 157

außerhalb Italiens schwerlich Jemand eingehen dürste, wird sich von selbst widerle-gen, indem wir uns die geographische Position des Landes weiter klar machen.

Es ist bereits angedeutet, daß sich die Weltlage Italiens durch die Entdeckungder neuen Welt durchaus verändert habe. Das Mittelmeer, die Thalassa, hörteauf, das alleinige Vermittelungsmeer zu sein, als die universelle Vermittelung desVerkehrs aller Erdtheile dem Ocean anheimfiel. Der Weltverkehr zog sich demzu-folge mehr nach der oceanischen Seite Europas. Diese Seite war früher eine ab-stract allgemeine gewesen; man hatte es nicht gewagt, über den sie bespülenden Oceanhinauszugehen. Jetzt aber wurde sie die bestimmende und die mediterrane Seite da-gegen die bestimmte, doch keineswegs in der Weise, als wäre ihr nunmehr alle Be-deutung genommen. Kapp sagt durchaus richtig: „Wenn man über Griechenlandund Nom in das richtige Verständniß der christlichen Welt eintritt, so ist die Tha-lafsa die Brücke in das Gebiet oceanischer Verhältnisse. Im Alterthum knüpfte sichan die Thalassa der Inbegriff des ganzen Occidents im Gegensatz zum Orient; jetztkommt sie blos als eine Seite des Occidents in Betracht, als ein Theil des nun-mehr nach allen Richtungen hin aufgeschlossenen Continents von Europa. Die ocea-nische Welt ist nicht die schlechthin oceanische, sondern sie ist die durch die potamischeund thalassische vermittelte, d. h. die potamische Welt des Orients und die thalassi-sche der classischen Völker sind Momente der Oceanität. "*) Wie durch die Ver-bindung mit dem Ocean das im Alterthum abgeschlossene Mittelmcer aufgeschlossenwird, so soll die ganze mediterrane Seite Europas in die oceanischen Interessen,welche gegenwärtig die Welt bestimmen, hingezogen werden. Es ist nur die Frage,aus weiche Weise dieses geschehen kann, zumal wenn einem Lande, wie Italien, die ocea-nische Seite fehlt, welche die iberische Halbinsel und Frankreich besitzen. Wir glau-ben hier keine andere Antwort ertheilen zu können, als daß Italien allein durchDeutschland oceanische, wie überhaupt welthistorische Beziehungen gewinnen kann;denn wie jenem die oceanische, so fehlt diesem die mediterrane Seite, oder um esanders auszudrücken: wie Deutschland in Italien seinen Süden sucht, so findetItalien in Deutschland seinen Norden. Darum werden beide Länder durchaus ininniger Verbindung zu einander stehen müssen, wenn sie ihre weltgeschichtliche Be-stimmung erfüllen sollen. Die nähere Betrachtung des Landes wird uns davonüberzeugen.

Italien ist eine rein mediterrane Halbinsel, wogegen von den beiden anderngroßen Halbinseln an der mediterranen Seite Europas die slawisch-griechische einepontische und die iberische eine oceanische Seite hat. Dabei ist dasselbe unmittelbarmit dem centralen Europa verbunden, von welchem aus es sich lang und schmalgegen Süden ausstreckt. Es nimmt darum von den drei mediterranen Halbinselndie Mitte ein und muß zugleich als rein europäisch bezeichnet werden, was von denbeiden andern Halbinseln nicht in der Weise gesagt werden kann, indem sie einmalnicht unmittelbar mit dem centralen Europa verbunden sind, und indem zugleich alsperipherisch sich die östliche Asien und die westliche Afrika nähert. Diese Verbin-dung mit dem centralen Europa und die geographische Position zwischen den beidenBecken des Mittelmecres sind es, wodurch Italien weltgeschichtliche Bedeutung sichbewahren wird, und in welchen sein wahrer, nicht sein eingebildeter, Beruf in derGegenwart begründet ist; durch diese Weltlage tvird ihm vorzugsweise die Vermitte-lung zwischen Centralcuropa und zwischen Nordafrika und Vorderasien und über die-ses hinaus zugewiesen. Von Niebuhr ist aus das augenfälligste dargestellt worden,daß uns schon in dem alten Rom, als einer Doppelstadt, das Zweigesicht des Ja-nus entgegenschaut. In noch ausgeprägterer Weise blickt uns dieses Doppelgesicht

tional-politischcn Zwecken unterordnen. Weil der Klerus das Ziel der Kirche für ein höhereshalt, als irdischen Zwecken dienstbar zu werden, so ist es nicht zu verwundern, daß die Ideeitalienischen Primats bei demselben im Allgemeinen keinen Beifall gefunden hat.

Kapp, „Philosophische oder vergleichende allgemeine Erdkunde" (2 Bde., Braunschw.