Band 
Erster Band.
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Die geographisch-politische Weltlage Italiens.

von Gebirgen umgeben, den Charakter eines eingeschlossenen Tieflandes gewinnt, dasletztere aber reinen Gebirgscharakter in sich trägt. Mit dem peninsularen Gebietetheilen in beiden Ländern die obern Regionen des continentalen diesen Gebirgscha-rakter in der Weise, daß sie von dem zunächst liegenden Meere und von den sieumgebenden Ländern schroff geschieden sind, weshalb der Verkehr nicht sowol in dasLand eindringt als vielmehr mit dem Flusse sich nach dem Meere hinzieht. Mögenindeß auch hohe Gebirge das kontinentale Italien von Ccntraleuropa scheiden, jeden-falls ist es ein großer Vorzug, daß das mächtigste Land der romanischen und beson-ders das der germanischen Welt nahe liegt; denn durch die Gebirge werden Wegegebahnt, sodaß hier ein Zusammenfluß romanischen und germanischen Lebens entste-hen muß, was nicht ohne innere Einwirkung bleiben kann. Eisenbahnen haben be-reits begonnen, das kontinentale Gebiet Italiens dem ccntralen, germanischen Europavollends nahe zu bringen. Das kontinentale griechisch-slawische Gebiet liegt dagegenkeinem europäischen Hauptlande nahe: es wird begrenzt von Ländern, welche nuruntergeordnete Bedeutung im europäischen Leben haben. Italien liegt zwar der grie-chisch-slawischen Küste nahe gegenüber, aber cs ist durch vielfach verzweigte Gebirgs-züge, durch welche Wege wenig gebahnt sind, in der Weise davon getrennt, daßinnige Beziehungen nach dieser Seite nicht wol stattfinden können, mag sich frei-lich auch hier früher unter andern Verhältnissen römischer Einfluß geltend gemachthaben. Deutschland, der Mittelpunkt der germanischen Welt, liegt diesem südslawi-schen Gebiete noch ferner. Zwar führt dahin ein deutscher Strom, aber derselbedurchstießt zuvor Länder, in welchen geistige Cultur erst in geringem Maße Einganggefunden hat. Es ist daher nicht zu verwundern, daß in diesem continentalen süd-slawischen Gebiete, eben weil es ohne Berührung mit der Cultur geblieben ist, durch-aus geistige Stagnation vorherrscht.

Anders verhält es sich dagegen mit dem continentalen Italien. Dasselbe hat sich,auch als es politisch ohnmächtig wurde und den Handel zwischen Mitteleuropa unddem Orient zum größten Theil durch die neuen Seewege verlor, durch die Nähe dereuropäischen Centralländer geistig lebendiger erhalten, zumal da nicht alle Beziehun-gen zum Orient aufhörten, vielmehr das Mittelmeer für seinen großen und weitenKüstensaum an der europäischen, asiatischen und afrikanischen Seite immer noch dasVcrbindungsmcer blieb. Theilweise ist freilich die größere geistige Regsamkeit imcontinentalen Italien der höhern Volksnatur zuzuschreiben, indem hier Germanenund nicht Slawen eindrangen und sich mit der vorhandenen Bevölkerung mischten.Den bedeutendsten Einfluß jedoch hat jedenfalls die geographische Lage und Naturdes Landes geübt. Inwieweit aber Italien in Zukunft seine nicht völlig verloren ge-gangene weltgeschichtliche Bedeutung bewahren und noch erhöhen wird, dies mußeinzig von der Beziehung abhängen, in welche es sich zu Deutschland, als dem Cen-trallande Europas, setzt. Jsolirt es sich, so bleibt es mediterranen Interessen ver-fallen und darum ohne Einfluß auf die Gegenwart. Deutschland aber würde da-durch gedrängt werden, seine Verbindung mit dem Orient mehr auf anderm Wegezu suHen. Der großen südostwärts strömenden Flußader folgend, würde es dannzugleich in deren unteres Gebiet nach und nach neues Leben strömen lassen. Dasperipherische griechisch-slawische Gebiet an der untern Donau, der kontinentale Theilder südöstlichen Halbinsel Europas, würde dann um so schneller die Regungen desLebens verspüren, welches im Mittelpunkte pulsirt. Das kontinentale Italien ent-behrt zwar einer solchen natürlichen Ader, welche es mit Ccntraleuropa verbindet,denn der Po, dessen Tiefland es zum größten Theil bildet, erstreckt sich nicht überseine Grenzen. Die Verbindungen mit Deutschland sind darum mehr künstlich, aberes ist nahe, und was vermag nicht der Mensch, um sich Wege zu bahnen, wennderen Nothwendigkeit erkannt ist! Wird sich daher das freie Italien zum freienDeutschland hingezogen fühlen, so wird ihm dieses schon entgegenkommen. Durchdie Flußthäler der Alpen werden Schienenwege entstehen, und diese werden neueVerkehrsadern bilden. Italien wird dann aufs neue Theil haben am Weltverkehr,