161
Die geographisch-politische Weltlage Italiens.
hinab. Die mittlere Kammhöhe steigt in den Westalpen von Süden gegen Nordenvon 5000 — 10000 Fuß; in den Mittelalpen betragt sie gewöhnlich nicht unter 8000,oft bis 12000 Fuß; in den Ostalpen sinkt sie von 8000 — 3000 Fuß hinab. DiePaßhöhe hält sich in den Westalpen zwischen 3000 und 7000, in den Mittelalpenzwischen 6000 und 10000, in den Ostalpen zwischen 3000 und 5000 Fuß. DieseHöhenverhältnissc kommen hier in Betracht, weil sie für den Verkehr von der höch-sten Wichtigkeit sind. Die schon sich senkenden Mittel- und Ostalpen trennen Ita-lien von Deutschland. Dieser sich in der Mitte am mächtigsten erhebende Gebirgs-rand der Alpen bildet sowol die Nvrdgrenze des kontinentalen Italien gegen Deutsch-land und die Schweiz als auch die Westgrenze gegen Frankreich. Vom Westflügeldes Gebirgszuges laufen bei dem Monte Viso, zuerst in südlicher, dann in östlicherRichtung, die Seealpen aus und bilden mit der am Col di Tenda sich davon ablö-senden und südostwärts weiter fortlaufenden Kette der Apenninen den Südrand deskontinentalen Italien und dessen Grenzscheide vom Meere und dem peninsularenTheile des Landes. Das Meer ist demzufolge dem kontinentalen Italien nur ander Ostseite geöffnet; an allen andern Seiten wird es dagegen nicht blos vom Meere,sondern auch von den angrenzenden Ländern durch hohe Gebirgszüge geschieden. Diehierdurch bewirkte Trennung wird zudem noch dadurch vermehrt, daß das Hochge-birge der Alpen wol auf der Nord-, nicht aber auf der Südseite von niedern Ver-bergen umgürtet ist, weshalb der Abfall zu der Tiefebene des Po jäh und kurz seinmuß. Man kann also leichter in Italien eindringen, als aus demselben herauskom-men. Mithin ist Italien leichter zu erobern, als von hier aus Eroberungen gemachtwerden können. Die Geschichte liefert dazu die vielfältigsten Belege.
Das kontinentale Italien bildet, von allen Seiten bestimmt umgrenzt und sichnach einer Seite hin senkend und dahin seine zahlreichen aus den Gebirgen kommen-den Flüsse sendend, eine in sich abgeschlossene Einheit, zwischen deren einzelnen Thei-len leicht ein lebendiger innerer Verkehr bewirkt werden kann. Werfen wir aucheinen vorläufigen Blick auf das peninsulare Italien, so hat dasselbe eine durchausentgegengesetzte geographische Beschaffenheit. Wie Leo sagt, ist es durch Bcrgreihenin eine große Anzahl Thäler von geringem Umfange und kleinerer an die Küste sto-ßender Ebenen zerrissen, welche alle, da sie keine Beziehung aufeinander haben, einesgemeinschaftlichen Mittelpunktes in dem Grade entbehren, daß zwischen fast allen dieCommunication von der Seefeite leichter ist als die zu Lande. Die sich von denSeealpen ablösenden und dann südostwärts, dem Po parallel fortlaufenden Apenninenbilden, wie im kontinentalen Theile des Landes den Nord-, so hier im peninsularenden Südrand. Von hier sich etwas mehr südwärts wendend, durchschneiden sie dieHalbinsel unter verschiedenen Namen bis zur äußersten Spitze. Aus diesem Zugelaufen sie in einer einfachen Kette, dem Hochapennin, fort, von welcher auf beidenSeiten kurze Querjoche ausgehen, denen mehr oder minder isolirte Gipfel, sowie diebreiten Höhen der Subapenninen, angelagert sind. Zuerst nähern sie sich mehr derOst- als der Westküste, sodann verzweigen sie sich ungefähr in der Mitte der Halb-insel, im Hochlande der Abruzzen, wo sie ihre größte Breite und Höhe erreichen, inzwei dieses Hochland umgebende Hauptketten, welche sich dann wieder in verschiedeneTheile zerlegen. Die ligurischen, toscanischen, römischen, neapolitanischen und cala-brischen Apenninen sind solche Verzweigungen vom Hochlande. Der orographischeBau der beiden Seiten des Gebirgszuges weicht insofern voneinander ab, als öst-lich der Gebirgszug in Form von transversal angesetzten Ketten steil abfällt, wogegener sich westlich allmäliger in Parallelketten und Parallelhochebenen zur Küste hin-sinkt. Es ist dieses deshalb von Wichtigkeit, weil dadurch dem peninsularen Italienmehr eine Richtung nach dem westlichen Becken des Mittelmeercs gegeben wird,während das kontinentale eine Richtung zunächst nach dem Adriatischen Meere unddurch dieses nach dem östlichen Becken gewonnen hat. Jenes hat, um es andersauszudrücken, seinen Blick mehr nach Afrika, diese? aber nach Vsrderasien gewandt-Die Gegenwart, l. ^