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Die geographisch-politische Weltlage Italiens.
Den verschiedenen Theilen Italiens wird dadurch ihre weltgeschichtliche Bestim-mung aufgeprägt. Sich senkend, verzweigen sich die Südapenninen nach Apulien,wo sie zuletzt in die Ebene übergehen, und nach Calabrien, von wo sie sich, zwarauch abflachend, über die Meerenge von Messina nach Sicilien fortsetzen, um sichhier wieder zu erheben und mehrfach zu verzweigen. Da vom Hauptgebirgszuge derApenninen sowol ost- als westwärts Ausläufer ausgehen, so wird das peninsulareItalien in eine Reihe kleinerer, eigenthümlich abgeschlossener Territorien zerrissen,welche sich auf der Ostseite der Halbinsel von der anconitanischen Mark an, auf derWestseite aber schon von den ligurischen Gebirgen an, bis nach Calabrien längs desApennin aneinander reihen, und deren Grenzgebirge von dem Apennin, wie dieGräten eines Fisches aus dessen Rückgrate, nach entgegengesetzten Richtungen hinauseinandersetzen. Tieflandsch asten finden sich in dem peninsularen Italien sehr we-nige, und diese sind dabei von sehr geringem Umfange. Nur die apulische Ebene,die Campagna Felice bei Neapel, die Campagna di Roma und die toscanischen Ma-remmen von Pisa und Siena können als solche bezeichnet werden. Durch dieseinnere Zerrissenheit des peninsularen Italien wird die Landcommunication sehr er-schwert; doch werden die westliche Küstenstraße von Nizza bis Reggio und die östlichevon Rimini bis Lecce durch mehre, jedoch für Wagen wenig bequeme Qucrcom-municationen über die Apenninenpässe in Verbindung gesetzt. Für einen Kanal fehltein Durchgang gänzlich. Zugleich haben die Flüsse bei dieser Bodenbcschaffenheiteinen kurzen Lauf, weshalb hier die Wasserwege von keiner Wichtigkeit sind, zumalda die von den Höhen eines Kalkgebirges kommenden Flüsse im Sommer kaum zurTränkung, Wässerung und zum Mühlgang hinreichen, mögen sie auch bei Regen-güssen das Land unbarmherzig überfluten und die fruchtbarsten Thäler ost durchVersumpfung verpesten. Die Zerklüftungen des Apennin verhindern zudem dienähere Verbindung der vielen kleinen Flußgebiete. Dieser Mangel an fahrbarenStraßen hemmt den Verkehr und wirkt nachtheilig auf den Wohlstand des Landes.Die Preise der Producte stellen sich auf kleine Entfernungen oft unglaublich ungleich.Anders dagegen verhält es sich in beiden Beziehungen im kontinentalen Italien, inwelchem nicht blos die Landcommunication überall leicht ist, sondern auch die vielennördlichen Zuflüsse des Po die Kanalisation sehr befördert haben. Schon durch die-sen leichten und schnellen Austausch der verschiedenen Producte wird in diesem Vor-laube der Alpen ein allgemein verbreiteter Wohlstand erzeugt, abgesehen von denandern Umständen, welche denselben fördern. Wie ein schöner Fluß mit vielen Ar-men und andern kleinern Flüssen das Land durchschneidet und agrarisches, indu-strielles und commcrcielles Leben weckt, so durchweht dasselbe auch ein anderer Geistund erhält das Volk in Lebendigkeit. An guten und geräumigen Häfen hat eben-sowvl das kontinentale als das peninsulare Italien, besonders dessen Ostküste, Man-gel, und dabei sind die noch vorhandenen Häfen für Flotten zu klein.
Wol erhebt sich inmitten der tiefgreifenden Bewegung, in welche die VölkerItaliens versetzt sind, der einstimmige Ruf: Italien müsse die politische Einheit er-ringen und ein Reich werden. Allein die geographische Natur des Landes kann unslehren, welche Schwierigkeiten dies haben muß, und unter welchen Modificationenund Beschränkungen eine solche Einheit nur möglich sein wird. Besonders im pcu-insularen Italien wird durch die vielfältige Eebirgszertheilung, welche die Communi-cation vom Meere her leichter macht als die zu Lande, eine Gliederung des politischenLebens und mithin eine Theilung der Herrschaft gefodert, wenn sich ein gesundesund wahrhaft selbständiges Leben entwickeln soll. Rom hat zwar im Alterthum zu-nächst über das peninsulare und dann auch über das continentale Italien geherrscht;aber diese Herrschaft war nicht organisch erwachsen, sondern mechanisch erzwungen.Die verschiedenen Landschaften blieben nicht in ihrer individuellen Selbständigkeit be-stehen, sondern mußten ihr charakteristisches Wesen ausgeben. Die angeborene sittlicheSubstanz der Bevölkerung wurde allmälig zersetzt, sodaß die Vereinigung nicht sowd!