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Die geographisch-politische Weltlage Italiens.
eine italienische als vielmehr eine römische wurde. Eine solche mechanische, densubstantiellen Kern der verschiedenen Volkselementc vernichtende Vereinigung trägt dieTodeskeime in sich und muß nothwendig zu Grunde gehen; denn es schien ihr, ebenweil sie nicht organisch ist, mithin keinen positiven Kern hat, die Ansähe eines neuensich stets erfrischenden Lebens. Abgesehen von seiner mediterranen Lage, bei welcheres allein durch Deutschland, wie Kapp sehr richtig bemerkt, Theil an der oceanischenCultur hat, kann Italien wegen der Beschaffenheit seines zertheilten Terrains undder damit nothwendig verbundenen politischen Zersplitterung in der gegenwärtigenZeit nur eine secundaire Rolle spielen, selbst wenn es auch zu einer tiefern innernEntwickelung gelangen sollte. Seitdem sich in der neuen Zeit durch die Benutzungder großen Wasserstraßen des Oceans der weltgeschichtliche Blick der Völker Euro-pas in dem Maße erweitert hat, als der Ocean größer ist als das Mittelmeer, undseitdem die Völker selbst zu jenem eine überwiegende Beziehung gewonnen haben,bewegt sich das weltgeschichtliche Leben in größern Kreisen als im Mittelalter. Nurim Mittelalter, dessen Geschichte sich an einen beschränktern Raum knüpfte, konntesich auch das weltgeschichtliche Leben in kleinern Staaten verlaufen, und diese konn-ten sich nicht nur selbständig erhalten, sondern auch auf andere bestimmend einwirken.Jetzt hingegen fehlt den kleinen Staatsgewalten die Kraft, in die allgemeine geschicht-liche Bewegung bestimmend einzugreifen. Denn nachdem sich aus den verschiedenenStaaten Europas sse nach der geographischen Lage der Länder und der besondernIndividualität der Völker einzelne als mächtigere herausgebildet haben, ist der welt-geschichtliche Verlauf vorzugsweise an diese gekettet. Ein solcher Staat kann sichaber unter den veränderten Wcltverhältniffen gegenwärtig nicht in Italien bilden,schon weil, wie bemerkt, die geographische Natur der staatlichen Vereinigung der ein-zelnen Landschaften widerstrebt. Der Zusammenhang der verschiedenen Theile einesitalienischen Reichs würde zu locker bleiben, als daß das Ganze eine solche compacteEinheit bildete, die, wie früher das Römerreich, den Verlaus der Geschichte bestimmte.Zudem hat auch die Geschichte den Küstensaum des Mittelmeeres, den die eine Nomaan sich band, lange überschritten. Es ist aber ein großer Unterschied, ob die medi-terrane Seite Europas oder die oceanische die weltgeschichtliche Bewegung bestimmt.Das Letztere ist der Charakter der neuen Zeit, und deshalb haben die oceanischenInteressen sich nicht blos von den mediterranen längst freigemacht, sondern werdendiese auch bei der weitem geschichtlichen Entwickelung immer mehr bestimmen.
Das continentalc Italien insbesondere; seine natürlichen Beziehungen zu den europäischenFestländern und der Charakter seiner einzelnen Landschaften.
Nach diesen mehr allgemeinen Vorbemerkungen wollen wir die einzelnen Land-schaften Italiens dem Auge vorführen und dadurch das Ausgesprochene erhärten.Wir beginnen wiederum mit dem kontinentalen Italien. Das kontinentale Italienist in jeder Beziehung ein Land der Vermittelung. Von Natur romanisch, jedochmit germanischer Beimischung, wird es nicht blos südlich von der mehr rein roma-nischen apenninischen Halbinsel und westlich von dem mehr mit fremden, keltischenund germanischen, Elementen gemischten romanischen Frankreich begrenzt, sondernes verbreiten sich auch nördlich durch die deutschen Gebirgsländer und die Schweiz,germanische Einflüsse weit über seine Grenzen. Slawische Elemente berühren eswenigstens von Kroatien und Slawonien aus und durch Jllyrien und Dalmatienhindurch; ihr Einfluß ist aber nicht bestimmend. Der hohe Gebirgssaum, welcherdiesen Theil Italiens von drei Seiten her umwallt, hat zwar verhindert, daß sichhier die verschiedenen Volkselemente wahrhaft durchdrängen, jedoch hat das Land je-denfalls durch die Berührung mit den verschiedenen Völkern Europas eine anderePhysiognomie gewonnen als das peninsulare Italien. Zuerst setzten sich hier gallische,dann germanische Völkerschaften bleibend fest und bildeten besondere Reiche. Zwarsind auch in das peninsulare Italien fremde Völker eingedrungen, die Germanen