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Die geographisch-politische Weltlage Italiens.
schwieriger wird, indem sich die Straßen entweder hindurchwinden, oder zu wieder-holten Malen Bergpässe überschreiten müssen. Von Coni führt über den Col di Tendadurch die Scealpen nach Nizza und von da weiter längs der ligurischen Küste eine1778 angelegte Straße nach Frankreich, welche sich bis zu 5613 Fuß erhebt; siebildet die Fortsetzung der oben erwähnten westlichen Küstenstraße. Die Straße vonTurin über Susa nach Briancon und weiter benutzt die Thalsysteme des Po undder Durance; sie ist zwar fahrbar, jedoch höchst beschwerlich und erreicht am MontEenevre eine Höhe von 6258 Fuß. Die Straße zwischen den Thalsystemen des Pound der Jsere über den Mont Cenis nach Chambcry und von da nach Genf oder Lyonist, wenn auch höher (6554 Fuß), doch weniger beschwerlich; sie ist von Napoleonerbaut. Von Aosta führt zwischen den Thalsystemen der Dora Baltea und der Jsereeine Straße über den beschwerlichen kleinen St.-Bernhard (6700 Fuß) nach Gre-noble, welche der Hauptverbindungsweg der Römer war, jetzt aber wenig gebrauchtwird. Von Napoleon wurde auch die große, jedoch für den Handel minder wichtigeSimplonstraße (6174 Fuß) erbaut, welche von Mailand längs des Lago maggioredurch die Thalengen der Tosa über den Simplonpaß ins Rhonethal nach Brieg undGenf führt. Der unfahrbare Paß über den großen St.-Bernhard von Aosta nachMartigny verbindet das Dora Baltea-System mit dem Längenthale des Rhone odermit Wallis. Unter allen diesen Straßen, welche entweder direct oder durch die ro-manische Schweiz nach Frankreich führen, befindet sich keine einzige, welche nichtschwierig wäre. Es stehen trotz allem Aufwand und aller Anstrengung dem Verkehrzwischen beiden Ländern große Schranken entgegen. Dessenungeachtet hat mandaran gedacht, eine Eisenbahn von Turin nach Chambcry, Genf und weiter in derRichtung nach Dijon fortzuführen, wodurch die französische Hauptstadt in geradesterLinie mit Oberitalien in Verbindung gesetzt würde. Es wird jedoch nicht blos dercommercielle Verkehr mit Frankreich durch diese Gebirgspässe außerordentlich er-schwert, sondern es werden dadurch auch einer militairischen Besetzung Obcritaliensvon Frankreich aus die größten Hindernisse entgegengesetzt und zwar um so mehr,da die nach Frankreich gekehrte Küstenseite schmal und zugleich vom eigentlichen con-tinentalen Gebiete durch die Seealpen in der Weise getrennt ist, daß rnilitairischeOperationen vom Meere her wenig unterstützt werden können.
Außer den schon genannten Straßen führen nach der Schweiz noch: der Paß überden St.-Gotthard zwischen dem Tessino- und Reußthalc, im Mittelalter ungeachtet allerSchwierigkeiten die Haupthandelsstraße nach Deutschland (6650 Fuß); die Bernhardin-straße (6584 Fuß) zwischen den Thalsystemen des Rheins und des Tessino, welche erst inneuerer Zeit (1819—23) erbaut ist und Piemont und Graubünden verbindet; derSplügenpaß (6513 Fuß), welcher das Thalsystem der Adda mit dem des Rheins ver-bindet und über welchen im Mittelalter die deutschen Heere nach Italien zogen; undder früher mehr gebrauchte, seit der Anlegung der bereits erwähnten Straßen wenigwichtige Septimerpaß. Auch diese Straßen sind hoch und nicht ohne Schwierigkeit;weil sie aber aus einem Hochlande nach Italien führen, so ist die Erhebung aufdenselben an der Nordseite eine mehr allmälige, sodaß hier sogar die Anlegung einerEisenbahn aus dem obern Rheinthale von Chur über Bellinzona nach dem Lagomaggiore, nach Alessandria und Genua auf das ernstlichste projectirt worden ist.Damit würde zugleich eine Verbindung mit der lombardischen Bahn von Turin undMailand nach Venedig bewirkt werden. Schon jetzt sind die genannten Straßenvon hoher Wichtigkeit nicht blos für die Schweiz, sondern auch für das südwestlicheDeutschland. Welchen Verkehr aber würde ein Schienenweg hierher ziehen, zumalbei seiner Fortsetzung nach Genua an das westliche Mittelmeer, welches dann nichtblos für einen größern Theil des obern Italien, sondern auch für die Schweiz unddas südwestliche Deutschland, selbst für einen Theil Frankreichs ein Vermittelungs-hafen werden könnte! Mit Ausnahme der 1824 vollendeten Straße über den Orteles,und zwar hier über das Stilfser Joch (8610 Fuß), welche am höchsten über dieAlpen fuhrt, ja die höchste fahrbare Straße in Europa ist, sind die unmittelbar nach